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Schalke träumt - Bayer nach 0:3 desillusioniert

Der FC Schalke 04 hat weniger mit Gegnern als mit geweckten Erwartungen zu kämpfen. „Eine tolle Mannschaft sind wir erst, wenn wir am Ende der Saison etwas vorzuweisen haben“, warnte Schalke-Coach Ralf Rangnick nach dem 3:0-Sieg bei Bayer 04 Leverkusen vor unrealistischen Träumereien.

dpa LEVERKUSEN. Der FC Schalke 04 hat weniger mit Gegnern als mit geweckten Erwartungen zu kämpfen. "Eine tolle Mannschaft sind wir erst, wenn wir am Ende der Saison etwas vorzuweisen haben", warnte Schalke-Coach Ralf Rangnick nach dem 3:0-Sieg bei Bayer 04 Leverkusen vor unrealistischen Träumereien.

"Es liegt alles noch dicht beieinander. Da kann man nicht sagen, wir hätten irgendeine Stufe erklommen." Dafür wurde Bayers Absturz ins Niemandsland des Bundesliga-Mittelfeldes mit der ersten Niederlage in der Bayarena nach zwölf Spielen weiter forciert.

Die "Königsblauen" etablierten sich nach dem siebten Sieg im achten Bundesliga-Spiel unter der Regie Rangnicks dagegen als ernsthafter Rivale für Bayern München, den VfL Wolfsburg und VfB Stuttgart. Dennoch hütet sich Rangnick ("Ich nehme mich da nicht wichtig") offensiv den achten Titelgewinn als Ziel an die Wand zu malen. Vielmehr hält er die Hoffnung darauf mit rhetorischem Geschick aufrecht: "Unser ausdrücklicher Wille ist es, unter die ersten Fünf zu kommen, dazu zählen auch die beiden ersten Plätze." Seinen Spielern und den Fans gesteht er jedoch zu, auch über das Ziel hinauszuschießen: "Dass die Spieler sagen, sie wollen deutscher Meister werden, ist legitim. Auch die Fans dürfen davon träumen."

Wichtig ist ihm zunächst, bis zur Winterpause die Basis für vermeintlich große Erfolge im kommenden Jahr zu legen. "Wir wollen im Uefa-Cup überwintern", hofft er vor der Partie gegen Ferencvaros Budapest. Außerdem möchte er von den verbleibenden drei Bundesliga-Spielen gegen Bielefeld, Dortmund und Freiburg mindestens zwei gewinnen: "Da wäre ich zufrieden." Dann kämen die Schalker auf 33 Punkte. "Damit hätten wir alle Optionen für die Rückrunde", glaubt Rangnick, dessen Team auch das Pokal-Viertelfinale erreicht hat.

Seinem Kollegen Klaus Augenthaler scheinen die Zügel dagegen immer mehr aus den Händen zu gleiten. "Die Niederlage war unnötig und bitter", schimpfte er. Schließlich brillierte sein Team in den ersten 25 Minuten, bevor es durch das Tor von Ebbe Sand (27.) nach Vorarbeit von Ailton und das 2:0 zehn Minuten später durch den Brasilianer selbst völlig aus der Bahn geworfen wurde. "Das war der Fangschuss für die Leverkusener", meinte Rangnick.

"Ich hätte auch drei Tore machen können", freute sich Ailton am 14. Spieltag über seinen vierten Bundesliga-Treffer für die Schalker. Für Rangnick war es nur eine Frage der Zeit, wann der Knoten beim Torschützenkönig der vergangenen Saison platzt: "Er hat in der letzten Spielzeit 28 Tore geschossen. Diese Qualität kann nicht in ein paar Monaten verloren gehen." Für den Schlusspunkt sorgte sein überragender Landsmann Lincoln ("Ich bin 1 000 Prozent zufrieden") mit einem Freistoß zum 3:0 (71.).

"Am Ende wird abgerechnet", hofft Kapitän Carsten Ramelow, mit der Mannschaft nach dem Larifari-Fußball, der fast die Hälfte der eigenen Fans vor dem Abpfiff aus dem Stadion graulte, bald wieder auf Vordermann zu kommen. Dass die 0:3-Klatsche vor dem Champions-League- Auftritt am Dienstag bei Real Madrid schlecht für die Moral ist, weiß auch er: "Daran werden wir zu knabbern haben. Doch wir müssen das Beste daraus machen."

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