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Schalke zieht Notbremse: Jupp Heynckes gefeuert

Der FC Schalke 04 hat nach nur vier Bundesliga-Spielen die Konsequenz aus dem Fehlstart gezogen und mit der überraschenden Entlassung von Trainer Jupp Heynckes für den ersten Paukenschlag der Saison gesorgt.

dpa GELSENKIRCHEN. Der FC Schalke 04 hat nach nur vier Bundesliga-Spielen die Konsequenz aus dem Fehlstart gezogen und mit der überraschenden Entlassung von Trainer Jupp Heynckes für den ersten Paukenschlag der Saison gesorgt.

"Wir haben in vielen Gesprächen den Eindruck gewonnen, dass das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft nicht so intakt war, um auf absehbare Zeit Besserung herbei zu führen", begründete Manager Rudi Assauer die erste Trainer-Demission der laufenden Spielzeit.

Beim Uefa-Cup-Auftakt gegen Liepajas Metalurgs und wohl auch im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach werden die Co-Trainer Eddy Achterberg und Oliver Reck auf der Trainer-Bank sitzen. Bei der Suche nach einem Nachfolger für Heynckes, der am 17. Juni 2003 seinen Dienst bei den Knappen angetreten hatte, wolle man sich mindestens eineinhalb Wochen Zeit lassen.

"Wir setzen uns nicht unter Druck, sondern suchen in Ruhe nach Lösungen", betonte Assauer, der sich im Jubiläumsjahr nach dem 50. Trainer der 100-jährigen Vereinsgeschichte umsehen muss. Bis zur Inthronisierung eines Nachfolgers wollen Assauer und Sportdirektor Andreas Müller noch näher an die Mannschaft rücken und mehr Einfluss nehmen. "Es wird ein Vierer-Gespann bei Entscheidungen auch über die Aufstellung geben", kündigte Assauer an.

Einen Tag vor der Partie gegen die Letten brach Assauer seinen Treueschwur für den 59 Jahre alten Heynckes, der Schalke als Heilsbringer mittelfristig zur ersten deutschen Meisterschaft seit 1958 führen sollte. Ausschlaggebender Grund für den Stimmungswandel waren Gespräche des Managers mit der Mannschaft und dem Coach. "Unabhängig von den Ergebnissen stimmte auch die Leistung der Spieler nicht. Das hat alle Verantwortlichen über die sportliche Situation nachdenken lassen", erläuterte Assauer. Seinen Angaben zufolge sah Heynckes, der noch einen Vertrag bis Saisonende hatte, die Situation in der abschließenden Unterredung ähnlich verfahren.

Dennoch ist sicher, dass Heynckes nicht von sich aus die Konsequenz zog. In dem Gespräch mit Assauer zeigte der Coach keine Bereitschaft, seine Fußball-Philosophie zu überdenken. "Er ist ein Trainer alter Schule. Er wollte sein Ding weiter durchziehen und ließ sich nicht überzeugen, gewisse Dinge anders zu machen. Mein eigentliches Ziel war es, den Trainer umzustimmen", sagte Assauer.

Die Vereinsspitze, die ihrem Coach mit der Verpflichtung der Hochkaräter Ailton, Marcelo Bordon, Lincoln und Mladen Krstajic vor der Saison praktisch jeden Wunsch erfüllt hatte, sah kein Fortkommen. Das Ziel des auf einen Abstiegsplatz abgerutschten Clubs, mindestens Rang fünf zu erreichen, geriet nach nur wenigen Wochen in Gefahr.

"Assauer hat mir erklärt, dass es in der Mannschaft Vorbehalte gegen meine Arbeitsweise gebe", sagte Heynckes der Münchner "Abendzeitung". Auf Schalke scheiterte der frühere Nationalspieler nach achtjähriger Tätigkeit im Ausland zum zweiten Mal nach relativ kurzer Zeit bei einem Bundesligisten. Auch bei Eintracht Frankfurt musste er nach nur einem Jahr (1994-1995) seine Koffer packen.

"Ich bin jetzt im vierten Jahr bei Schalke. Jetzt kommt der fünfte Trainer in dieser Zeit. Das ist keine gute Sache, aber letztlich geht es um den FC Schalke und den sportlichen Erfolg", meinte der belgische Mittelfeldspieler Sven Vermant.

Die Entscheidung gegen Heynckes kam ähnlich überraschend und früh in der Saison wie bei Jörg Berger, der am 3. Oktober 1996 seinen Dienst bei den Königsblauen quittieren musste. Doch damals war allein das völlig zerrüttete Verhältnis des Teams zum Trainer ausschlaggebend, denn Berger war zu diesem Zeitpunkt sportlich erfolgreich.

"Es ist schade, dass die Entwicklung so verlaufen ist. Schließlich haben wir mit Heynckes zwei Mal über den UI-Cup den Einzug in den Uefa-Cup geschafft. Außerdem ist er als Mensch von einer im Fußballgeschäft selten gewordenen Integrität. Es ist für mich immer eine persönliche Niederlage, einen Trainer zu beurlauben", meinte Assauer, der aus Furcht vor weiteren finanziellen Einbußen handelte. Denn ohne das Erreichen der zweiten Gruppenphase im Uefa-Cup würde sich die wirtschaftliche Lage des Revierclubs angesichts der 102 Mill. ? Verbindlichkeiten weiter verschärfen.

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