Schalker mit 2:2 gegen Dortmund unzufrieden – Lehmann fliegt vom Platz: Kampf ums Revier

Schalker mit 2:2 gegen Dortmund unzufrieden – Lehmann fliegt vom Platz
Kampf ums Revier

Trainer Neubarth und Manager Assauer hadern mit dem Schiedsrichter, sprechen von einem Heim-Nachteil. Die Dortmunder ärgern sich über ihren Torhüter.

GELSENKIRCHEN. Es war Samstag um 17.06 Uhr, als sich Jens Lehmann entschloss, Bundesliga-Geschichte zu schreiben. Wahrscheinlich unwillkürlich, denn der Torhüter von Borussia Dortmund hat sich mutmaßlich nichts dabei gedacht, als er in der 80. Minute der emotionsgeladenen Partie zwischen Schalke 04 und dem BVB aus seinem Kasten stürmte, um seinen Mitspieler Marcio Amoroso ob verweigerter Defensivleistung lautstark zurechtzuweisen.

Für seinen Ausraster kassierte der Nationalspieler seine zweite gelbe Karte des Spiels und mithin den ersten Platzverweis in 40 Jahren Liga-Historie wegen Vergreifens am eigenen Mitspieler. "Er hat unsportlich gehandelt", erklärte Schiedsrichter Herbert Fandel. Lehmann selbst war sich wie üblich zunächst keiner Schuld bewusst: "Es gibt keine Regel, dass der Torwart nicht aus dem Strafraum laufen darf. Sie muss heute erfunden worden sein". Seine Mitspieler waren da anderer Meinung und beschimpften ihren Torhüter. Stefan Reuter schrie ihn gar wütend an.

Lehmanns Unwissen sorgte für den Höhepunkt des aufregendsten Reviergipfels seit Menschengedenken. Das 121. Derby war eine dieser Partien, von denen alle Augenzeugen noch in Jahren berichten werden. Die Schalker, weil sie sich nach dem 2:2 (2:0) vor 60 878 Zuschauern nach Strich und Faden betrogen fühlten, die Dortmunder, weil sie nach fast aussichtslosem Rückstand noch einmal zurück in die Partie fanden.

Nach zwei Traumtoren durch Sven Vermant (13. Minute) und Nico van Kerckhoven (15.) führten die Königsblauen mit 2:0. Dann rückte Schiedsrichter Fandel in den Blickpunkt: Nach 39 Spielminuten schickte er Schalkes Angreifer Victor Agali vom Platz. Der vierte Unparteiische am Spielfeldrand hatte gesehen, wie Agali seinen Widerpart Leonardo Dede einen Schlag mit dem Ellenbogen verpasste. Den Faustschlag des Brasilianers an den Hals des Nigerianers kurz zuvor, den hatte allerdings keiner der Schiedsrichter bemerkt und geahndet.

Auch bei der zweiten spielentscheidenden Szene benachteiligte Fandel Schalke: Nachdem die Dortmunder in Überzahl durch die Treffer von Jan Koller (52.) und Ewerthon (58.) ausgeglichen hatten, erzielte Schalkes Kapitän Tomasz Waldoch zehn Minuten vor Spielende einen Treffer. Doch der Linienrichter entschied zu Unrecht auf Abseits. "Wir werden hier laufend beschissen", tobte der sonst stoisch ruhige Frank Neubarth auf dem Weg in die Kabine. Schalkes Trainer unterstellt mittlerweile gezielte Wettbewerbsverzerrung: "Das kann doch langsam kein Zufall mehr sein."

Manager Rudi Assauer mochte nicht ernsthaft widersprechen: "Nach dem Spiel gegen Kaiserslautern sind wir hier zum zweiten Mal in drei Wochen betrogen worden." So gab es statt zweier Siege nur zwei Unentschieden - und damit vier Punkte weniger. "Wir sind in der Arena der Buhmann der Nation. Es geht um Millionen und die Fehlentscheidungen häufen sich. Sobald es strittig wird, wird gegen uns gepfiffen", grollte Assauer.

Die neue Heimstätte, 185 Millionen Euro teuer, sollte eigentlich pro Saison für einige zusätzliche Punkte sorgen. Doch entwickele sich die Stimmung in der Arena mittlerweile immer mehr zum Nachteil für die Schalker, klagte Trainer Neubarth. Denn viele Schiedsrichter würden aus Angst davor, als Heimschiedsrichter zu gelten, im Zweifelsfalle gegen Schalke pfeifen. "Dann müssen wir das Ding eben wieder abreißen. Wir haben einfach nicht den Bonus von Bayern und Dortmund", sagte Assauer gewohnt wortgewaltig.

Nach dem Remis bleibt Dortmund vorerst die Nummer eins im Pott - und das zu Recht. Denn selbst wenn man berücksichtigt, dass der BVB vom Schiedsgericht über Gebühr bevorzugt wurde, stellte der Meister im Derby das stärkere Team. Ein Umstand, der Borussias überragenden Akteur Christoph Metzelder zufrieden lächeln ließ: "Tempo, Rasse, Dramatik", schwärmte der Nationalspieler, "so wünscht man sich doch das Derby."

Im Training am Sonntag zeigte Buhmann Lehmann Reue und entschuldigte sich bei seinen Mitspielern, was ihn vor einer Geldstrafe durch den Verein aber nicht bewahrte. "Das war eine große Undiszipliniertheit", sagte Sportmanager Michael Zorc. Zuvor hatte Klubmanager Michael Meier Klartext geredet: "Lehmann setzt den Erfolg von Borussia Dortmund auf?s Spiel."

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