Scharapowa übertönt Seles
Viel Lärm um „Schlacht der Tennis-Puppen“:

Wer Maria Scharapowa in Wimbledon nicht sah, der hörte sie. Die 16-jährige Russin ist die lauteste Versuchung, seit es Monica Seles gibt. In der von den englischen Medien zur "Schlacht der Tennis-Puppen" hochstilisierten Partie gegen Ashley Harkleroad aus den USA diktierte das Wunderkind beim 6:2, 6:1 in 59 Minuten nicht nur die Höhe des Sieges, sondern auch des Lärmpegels.

HB/dpa LONDON. Das beiderseitige Stöhnen, Kreischen, Quieken und Klagen ließ Fantasien ins Kraut schießen. Selbst die seriösen "Times"-Reporter fühlten sich auf Court 2 wie bei "Madame Butterfly".

Das Erstrunden-Duell der Teenager erregte beinahe so viel Aufmerksamkeit wie ein Grand-Slam-Finale. Was auch an der attraktiven Erscheinung der beiden jungen Damen mit den blonden Pferdeschwänzen lag, die gern und oft als die neuen Kurnikowas gesehen werden. Der langbeinigen Scharapowa, die von Martina Navratilova entdeckt wurde und seit zehn Jahren in Florida an ihrer Tenniskarriere bastelt, ist so ein Vergleich eher peinlich.

"Ich bin nicht die neue Kurnikowa. Ich will ja Matches gewinnen", hatte sie vor Wochen frech angekündigt. Nach ihrem Sieg gegen Harkleroad setzte sie noch eins drauf: "Modeln ist langweilig. Ich will die Nummer eins der Welt werden." Für den Anfang würde es schon reichen, ein Turnier zu gewinnen, was Glamourgirl Anna Kurnikowa bis heute nicht gelungen ist.

Dafür nahm sie rund das Zehnfache ihrer 3,5 Millionen Dollar Preisgeld über Werbeverträge ein, ein Option, die auch Scharapowa hat, wenn sie von Platz 91 der Weltrangliste weiter so schnell nach oben klettert. In den USA reißen sich schon jetzt die Sponsoren um sie. Am liebsten sähen es die Amerikaner, wenn die selbstbewusste 16- Jährige ihre Staatsbürgerschaft wechseln würde. Doch Scharapowa denkt gar nicht daran, ihre sibirische Herkunft zu verleugnen: "Ich habe russisches Blut in den Adern und werde weiter für Russland spielen."

Und sie wird auch weiter ihren Gegnerinnen mit der geräuschvollen Untermalung des Spiels auf den Geist gehen. "Lauter", rief die verärgerte Ashley Harkleroad am Ende des zweiten Satzes. Sie war nicht die Erste, die sich über die animalischen Laute mokierte. Beim Turnier in Birmingham beschwerte sich die Französin Nathalie Dechy über das lärmende Mädchen. Und in der vergangenen Woche in Eastbourne musste die Russin sogar ermahnt werden, etwas leiser zu sein. Der Schiedsrichter fühlte sich gestört - allerdings der vom Nebenplatz.

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