Scharfe Kritik am Schweizer Außenministerium
Exbotschafter Borer geht in die freie Wirtschaft

Der abberufene Schweizer Botschafter in Berlin, Thomas Borer, beendet seine diplomatische Karriere und wechselt in die freie Wirtschaft. Er werde nach Potsdam ziehen und als Unternehmensberater tätig sein, kündigte der 45-Jährige an.

WiWo/ap BERLIN/BERN. Seinem Außenministerium warf Borer in einer am Wochenende veröffentlichten Erklärung "Mangel an Unterstützung und Loyalität" vor. Ursprünglich sollte Borer ab Ende April im Berner Ministerium arbeiten.

"Nach reiflicher Überlegung und mit großem Bedauern habe ich mich entschieden, dass ich unter den gegebenen Umständen meinem Ministerium auch nicht in anderer Funktion dienen kann", schrieb Borer, der nach einer Reihe von Skandalgeschichten vor gut zwei Wochen vom Schweizer Außenminister Joseph Deiss abberufen worden war.

Zusammen mit seiner Frau Shawne werde er in eine Villa nach Potsdam umziehen und eine "strategische Tätigkeit im Dreieck Deutschland-Schweiz-USA" planen, kündigte Borer an. In einem Interview von "Bild am Sonntag" präzisierte er, er wolle eine Tätigkeit als Unternehmensberater aufnehmen.

Er wolle aber weiter den politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zirkel pflegen, den er in Berlin aufgebaut habe, schrieb Borer in seiner Erklärung. Seine Frau werde ihre wohltätige Arbeit als Botschafterin für die SOS-Kinderdörfer fortsetzen und auch weiterhin für die Schweizer Landesausstellung Expo.02 wirken.

Das Schweizer Außenministerium bestätigte am Sonntag den Eingang des Kündigungsschreibens. Borer habe Deiss per Fax informiert, dass er den Arbeitsvertrag zum 30. April auflösen wolle. Laut Sprecher Ruedi Christen ist die Kündigung aber noch nicht rechtsgültig.

Borer und seine Frau hatten in ihren drei Jahren in Berlin als Glamour-Paar der Party-Szene mehrfach für Aufsehen gesorgt. Nach einer von einer Schweizer Boulevardzeitung beschriebenen angeblichen Affäre mit einer Berliner Visagistin folgte die Abberufung. Unter den gegebenen Umständen sei er als Missionschef nicht mehr tragbar, begründete Außenminister Deiss.

In einem Interview mit "Bild am Sonntag" kritisierte Borer diese Entscheidung scharf. Er sei Opfer einer durchsichtigen Diffamierungskampagne von Schweizer Boulevardmedien geworden. Er habe die notwendige Rückendeckung seines Ministeriums vermisst.

Immerhin kann sich Borer trotz der angeblichen Affäre weiter der Liebe seiner Frau sicher sein. Sie werde den Verdacht nicht los, dass die Preisgabe vermeintlicher Details "eiskalt und planmäßig gesteuert wurde", sagte die aus den USA stammende Shawne Fielding Borer der "Bild am Sonntag". "Für mich ist mein Mann mein Held", erklärte sie. Künftig wolle sie sich um ihre Filmkarriere kümmern. Sie habe Angebote aus den USA und Deutschland.

Der künftige Botschafter Baumann sagte in einem Interview des Nachrichtenmagazins "Focus", auch er sei ein "geselliger Mensch". Er sei jetzt dreieinhalb Jahre Botschafter in Manila und praktisch jeden Abend eingeladen gewesen. "Ich freue mich auf diese für die Schweiz so wichtige Botschaft, auf die tolle Stadt Berlin, auf das kulturelle Leben", erklärte Baumann.

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