Scharfe Kritik an KPMG
Weitere Comroad-Bilanzen werden geprüft

Im Bilanzskandal bei dem Telematik- Anbieter Comroad nehmen die Wirtschaftsprüfer auch die Jahresabschlüsse von 1998 bis 2000 gründlich unter die Lupe. "Wir überprüfen jeden Geschäftsvorgang und jede Rechnung", sagte am Montag ein Sprecher der Gesellschaft Rödl & Partner, die mit der Sonderprüfung beauftragt ist. Bis zum Abschluss dieser Prüfungen könnten mehrere Monate vergehen. "Wir versuchen, es so schnell wie möglich zu machen."

dpa MÜNCHEN/FRANKFURT. Angesichts des Comroad-Skandals forderte der Direktor des Saarbrücker Instituts für Wirtschaftsprüfung, Professor Karl-Heinz Küting, schärfere staatliche Kontrollen und Sanktionen für Prüfgesellschaften. "Wir brauchen in Deutschland eine wirksame Kontrollbehörde, die Strafen verhängen darf, die weh tun", sagte er in einem dpa-Gespräch.

Laut einer Rödl-Sonderprüfung bei Comroad für 2001 war fast der vollständige Umsatz des Jahres vorgetäuscht. Und auch die Bilanzen in den Jahren 1998 bis 2000 wurden voraussichtlich nach Informationen aus Finanzkreisen zu einem großen Teil gefälscht. Diese Abschlüsse waren allerdings uneingeschränkt von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG geprüft und testiert worden. Nach Ansicht von Küting sind KPMG gravierende Fehler unterlaufen. "Wenn über einen längeren Zeitraum Luftbuchungen in diesem Ausmaß möglich sind, kommt das einem Sextanerfehler in der Abschlussprüfung gleich."

Der Fall Comroad könnte nach Presse-Informationen auch die an der Emission beteiligten Kreditinstitute Concord Effekten und Hauck & Aufhäuser in Bedrängnis bringen. Ihnen drohten möglicherweise Prospekthaftungsklagen, berichtete die Zeitung. Geprellte Anleger könnten Schadenersatz fordern, wenn sich herausstellt, dass ihnen im Börsenprospekt wesentliche Informationen vorenthalten wurden. Comroad war Ende 1999 an die Börse gegangenen.

Comroad hatte ursprünglich den Umsatz im vergangenen Jahr auf 93,6 Millionen Euro beziffert. Die Buchprüfer Rödl & Partner konnten nur 1,4 Millionen Euro belegen. 98 Prozent der angegebenen Erlöse waren mutmaßlich gefälscht. Sie wurden Geschäften mit einer Firma in Hongkong zugeschrieben, die allem Anschein nach nicht existierte.

"Wenn ein einziger Geschäftspartner einen so großen Anteil des gesamten Umsatz auf sich vereint, dann muss sich der Wirtschaftsprüfer vom Hauptkunden auch ein Bild vor Ort machen", kritisieret Küting. Es genüge nicht, allein die Stimmigkeit der Belege zu prüfen, wie das KPMG zunächst gemacht hatte. "Von einem Wirtschaftsprüfer erwarte ich, dass er gravierende Fehler bei der Bilanzierung aufdeckt. Wer sollte das denn sonst tun?" Comroad-Gründer und Vorstandschef Bodo Schnabel sitzt wegen des Vorwurfs des Kursbetruges seit Ende März in Untersuchungshaft. Auch gegen seine Frau Ingrid, die Mitglied des Aufsichtsrates ist, wird ermittelt.

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