Scharfe Kritik an Washingtons Nahost-Politik und Anti-Terror-Strategie: Saudi-Arabien geht auf Distanz zu den USA

Scharfe Kritik an Washingtons Nahost-Politik und Anti-Terror-Strategie
Saudi-Arabien geht auf Distanz zu den USA

Die Krise im Nahen Osten belastet das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen den USA und Saudi-Arabien. Das Königreich verurteile die israelischen Angriffe auf palästinensische Bürger, Häuser und Infrastruktureinrichtungen, sagte der saudische Informationsminister Madani Alaki nach einer von König Fahd geleiteten Kabinettssitzung.

bce/HB DÜSSELDORF. Gleichzeitig betonte er die "Notwendigkeit einer eindeutigen internationalen Position gegenüber den Angriffen und dem israelischen Terrorismus".

Damit heizt Riad den seit dem 11. September schwelenden Streit mit den USA erneut an. Die amerikanische Kritik an der Tatsache, dass die überwiegende Mehrheit der 19 Luftpiraten vom 11. September die saudische Staatsbürgerschaft besaßen, hatte im Königreich tiefe Verbitterung ausgelöst. Die Saudis fühlen sich einer feindseligen Kampagne ausgesetzt, die in unfairer Weise das gesamte Regime und die religiöse Führung des Landes für den Extremismus einer kleinen Gruppe von Exil-Saudis verantwortlich mache.

Empört nimmt man in Riad wiederholte Äußerungen von US-Politikern auf, die an der Verlässlichkeit des saudischen Bündnispartners im Kampf gegen den Terrorismus zweifeln und dem Königshaus vorwerfen, es ginge nicht energisch genug gegen die Extremisten im eigenen Land vor. Auch die Kritik einiger US-Kongressabgeordneter, dass sich amerikanische Soldatinnen an saudische Kleidervorschriften für Frauen halten müssten, wenn sie ihren Stützpunkt verlassen, wertet man in Riad als ein verletzendes Unverständnis gegenüber den eigenen Traditionen.

Für ständigen Ärger sorgt die Stationierung von rund 5000 US-Soldaten, die von Saudi-Arabien aus seit Ende des Kuwait-Krieges 1991 über die Stabilität der Region wachen. Die US-Militärpräsenz auf "heiligem Boden" wird von starken fundamentalistischen Kräften im Königreich genutzt, um anti-amerikanische Gefühle zu schüren. Die saudische Führung nimmt auf diese Stimmung notgedrungen Rücksicht. So weigert sie sich, den USA die Benutzung der Stützpunkte für eventuelle Angriffe auf den Irak oder andere islamische Länder zu gestatten.

Offiziell versucht das saudische Regime nach Kräften, alle Anzeichen eines Bruches mit dem mächtigen Freund zu kitten. "Wir im Königreich sind uns sicher, dass jeder Zweifel an der Tiefe und Stärke unserer Beziehungen kurzfristig sein muss, da diese Freundschaft auf gemeinsamen Interessen und gemeinsamen Zielen ruht", betont Wirtschaftminister Ibrahim al-Assaf.

Ein Bericht der "Washington Post", wonach Saudi-Arabien den Abzug der US-Soldaten wünsche, wurde in Riad allerdings nicht dementiert. Stattdessen erklärte der saudische Generalsstabschef, Saleh bin Ali el Mahia, die US-Truppen seien lediglich dazu da, um den Luftraum im Südirak zu überwachen. "Eine andere Mission haben sie nicht", sagte Mahia im Gespräch mit der saudischen Tageszeitung "Okaz" (Dienstagsausgabe). Damit wollte er offenbar deutlich machen, dass Saudi-Arabien für die Landesverteidigung nicht auf die amerikanischen Soldaten angewiesen sei.

Gleichzeitig betonte Mahia, die saudische Führung habe die Amerikaner nicht wegen wachsender Ablehnung in der Bevölkerung aufgefordert, ihre Truppen abzuziehen. Ähnlich hatten sich zuvor führende US-Minister geäußert. In seinen Gesprächen mit saudischen Führern habe es darauf keinen Hinweis gegeben, sagte Außenminister Colin Powell. Auch Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, ein solcher Wunsch sei ihm unbekannt.

Die angesehene saudische Tageszeitung "Al Sharq al Awsat" hegt gleichwohl Zweifel, ob das angespannte Verhältnis zu den USA noch gekittet werden kann. Saudi-Arabien solle sich nach einem neuen Partner umsehen, mit dem ein besseres Verständnis möglich sei: Europa. "Schon heute spielt die EU eine wichtige Rolle im politischen und ökonomischen Interesse Saudi-Arabiens", schreibt das Blatt. "Was sich ändern müsste, wäre lediglich, dass Europa die USA als den wichtigsten strategischen Verbündeten ersetzen würde."

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