Scharfe Kritik
Keine Chancengleichheit für Privatanleger

Scharfe Kritik an der Fortsetzung des Börsenhandels in Deutschland nach den Anschlägen in den USA haben Aktionärsschützer geübt. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz erklärte am Freitag in Frankfurt am Main, aus Sicht des privaten Anlegers könne von Chancengleichheit gegenüber institutionellen Investoren keine Rede sein.

ap FRANKFURT/MAIN. "Denn den massiven Kursschwankungen konnten viele erst gar nicht folgen". Zudem seien viele Limits, die die Anleger zur Absicherung der Kursentwicklung gesetzt hätten, durch die kurzfristigen Ausschläge ausgeübt worden. Dies erkläre sicher einen Teil der Verkaufsorders, erklärten die Aktionärsschützer.

Zusätzlich Verwirrung habe die Empfehlung des Bundesverbandes Deutscher Investment- und Vermögensverwaltungsgesellschaften an seine Mitglieder gestiftet, die Ausgabe und Rüchnahme von Fondsanteilsscheinen zunächst auszusetzen. "Die Branche hat sich damit einen Bärendienst erwiesen, da nunmehr jeder Anleger weiß, dass Fonds in einer Krise ebenfalls nicht die sicheren Titel sind, die man jederzeit verkaufen kann". Die ohnehin vorhandene Verunsicherung der Anleger könnte sicherlich in solchen Situationen dadurch verringert werden, dass sich alle Beteiligten am Kapitalmarkt zu einer einheitlichen Verhaltensweise entschlössen, argumentierte die DSW.

Den Anlegern rieten die Aktionärsschützer zu Ruhe und Besonnenheit. Da die Notenbanken bereits signalisiert haben, dass sie dem Markt ausreichend Liquidität zur Verfügung stellen werden, gehe die DSW nicht davon aus, dass es auf Grund der Terrorwelle zu einer Börsenkrise kommen werde. Allerdings sei mit weiteren Kursausschlägen zu rechnen. Wer mittel- und langfristig investiere oder für sein Alter vorsorgen wolle, komme aber auch aus heutiger Sicht nicht um die Aktie als Anlageform herum, erklärten die Aktionärsschützer.

Weiterhin Defizite am Neuen Markt

Trotz einer Verschärfung der Regeln für den Neuen Markt bestehen nach Einschätzung der DSW weiterhin deutliche Defizite. Die Aktionärsschützer forderten unter anderem, Unternehmen sollten künftig beim Börsengang Prognosen über die Unternehmensentwicklung abgeben. Ferner müsse sicher gestellt werden, dass private und institutionelle Anlager die gleichen Informationen erhielten. Des weiteren forderte die DSW eine verständliche Zusammenfassung des Börsenprospektes für private Anleger. Diese Punkte sollte bei dem geplanten Kapitalmarktkodex berücksichtigt werden.

Der Anfang September vom Bundesfinanzministerium vorgelegte Entwurf für das vierte Finanzmarktförderungsgesetz wird nach Einschätzung der DSW nicht zu einer umfassenden Reform des Anlegerschutzes führen. In Teilbereichen bringe der Entwurf zwar Verbesserungen, zum Beispiel dadurch, dass Anleger Schadenersatz geltend machen können, wenn ihnen aus unterlassenen oder verspäteten Veröffentlichungen von kursrelevanten Tatsachen ein Schaden entstanden ist. Insgesamt sei der große Wurf aber nicht gelungen, kritisierte die DSW.

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