Scharfe Kritik von Kleinaktionären
T-Aktie zum „Zockerpapier“ verkommen

Mit scharfer Kritik an der Telekom-Führung meldeten sich Aktionärsschützer auf der Telekom-Hauptversammlung zu Wort. Die rund 9000 Aktionäre belohnten es mit dem ersten langanhaltendem Applaus des Tages.

ap/vwd KÖLN. Die Kritik hätte deutlicher nicht sein können. Die einst als "Witwen- und Waisenpapier" gepriesene Telekom-Aktie habe sich "als hochriskantes Zocker-Papier entpuppt", erklärte Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Schuld sei Telekom-Chef Ron Sommer, der keine klare Strategie erkennen lasse, aber Allüren eines Sonnenkönigs entwickle.

Die Telekom verfolge zwei Träume: UMTS und VoiceStream, kritisierte Benner-Heinacher. Es sei aber bei beiden Engagements nicht erkennbar, dass damit in absehbarer Zeit gutes Geld verdient würde. Scharfe Kritik übte sie zudem an der vom Aufsichtsrat bestrittenen Anhebung der Vorstandsbezüge um 90 Prozent auf 17,4 Millionen Euro. Dies sei eine Ohrfeige für alle Aktionäre, sagte sie unter dem Beifall von rund 9 000 Zuhörern in der Köln-Arena. Sie kritisierte ferner im vergangenen Jahr genehmigte Aktienoptionspläne für die Vorstandsmitglieder. "Wer in Zeiten der Cholera noch Kaviar bestellt, darf nicht auf das Verständnis der T-Aktionäre hoffen", sagte sie und rief dazu auf, den Vorstand unter Ron Sommer nicht zu entlasten. Dieser Appell gelte auch für den Vertreter des Bundes im Aufsichtsrat.

"Investment für Masochisten"

Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre bezeichnete die T-Aktie als "Investment für Masochisten", nicht nur wegen der Kursentwicklung, sondern auch wegen der "quälenden Statements des Vorstands", durch die sich die Anleger verhöhnt sähen. Insbesondere kritisierte er, dass der Vorstandsvorsitzende die T-Aktie als Papier mit hohem Wachstumspotenzial angepriesen habe, als der Kurs noch bei über 60 Euro gelegen habe. "Wenn Sie viel versprechen, müssen Sie auch viel halten", forderte Labryga.

Außerdem mahnte er eine transparentere Bilanzierungspraxis beim operativen Ergebnis und nachvollziehbare Renditeziele für alle Geschäftsbereiche und Beteiligungen der Telekom an. Den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Dietrich Winkhaus forderte Labryga auf, keine weiteren Aktienoptionen an den Vorstand mehr auszugeben. Das Aktienoptionsprogramm 2001 setze so niedrige Hürden, "dass die Athleten vor Lachen nicht mehr laufen können".

Die Telekom müsse ihren Aktienkurs gar nicht nachhaltig um 20 Prozent steigern, damit die Manager in den Genuss ihrer Optionen kämen; es genüge, wenn der Kurs volatil hin- und herschwappe. Diese Form der Vorstandsbezüge sei eine "Wertvernichtungsprämie" bzw ein "Niedrigkurs-Dankeschön", meinte der Aktionärsschützer. Anders als die DSW-Vertreterin rief Labryga die übrigen Aktionäre dazu auf, neben dem Vorstand auch dem gesamten Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern.

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