Scharfe Sicherheitskontrollen im Stadion: Erste Halbzeit pfui, zweite Halbzeit hui

Scharfe Sicherheitskontrollen im Stadion
Erste Halbzeit pfui, zweite Halbzeit hui

Mit einer Gala in der zweiten Halbzeit und dem höchsten Sieg in der Ära Rudi Völler hat die deutsche Fußball- Nationalmannschaft einen hoffnungsvollen Start ins WM-Jahr gefeiert. Beim 7:1 (0:1)-Schützenfest gegen die sich am Ende aufgebende Mannschaft aus Israel war Lokalmatador Miroslav Klose mit drei Treffern (49./51./64.) der überragende Spieler des deutschen Teams.

dpa KAISERSLAUTERN. Vor nur 24 512 Zuschauern im längst nicht ausverkauften Fritz- Walter-Stadion steuerten Dietmar Hamann (63.), Oliver Bierhoff (69.), Gerald Asamoah (75.) und Lars Ricken (78.) zum höchsten Sieg seit dem EM-Vorbereitungsspiel vor knapp zwei Jahren gegen Liechtenstein (8:2) die weiteren Tore bei. Da machte es nichts, dass Torhüter Oliver Kahn (27.) die Gäste mit einem unglücklichen Eigentor in Führung brachte.

Ohne elf Leistungsträger war von der deutschen Mannschaft eigentlich kein Fußballfest am Aschermittwoch zu erwarten. Und die Not-Gemeinschaft, in der nur sechs Akteure in der Anfangself standen, die im November in der Relegation gegen die Ukraine das WM-Ticket gelöst hatten, konnte in dem fast körperlos geführten Freundschafts- Spiel in der ersten Hälfte auch nicht überzeugen. Mit dem schnellen Doppelschlag kurz nach der Pause war dann die Bremse im deutschen Spiel gelöst und deuteten die Möglichkeiten der Völler-Truppe an.

Als vier Stunden vor Spielbeginn Polizei-Hubschrauber den vom Dauerregen durchnässten Rasen mit ihren Rotoren einigermaßen getrocknet hatten, erklärte Referee Stephen Dunn den Platz für bespielbar. Bei Nieselregen übernahm die DFB-Auswahl zwar schnell das Kommando. Doch Hamann und Carsten Ramelow (12.) scheiterten ebenso am reaktionsschnellen Keeper Dudu Awat wie der starke Scholl (19./23.), der nach 11 Monaten sein Comeback im DFB-Dress feierte. Die beste Chance vergab Christian Wörns, dessen Schuss Benayon auf der Linie klärte (27.).

Im Gegenzug die kalte Dusche für den Ex-Europameister, dessen sehr offensive Ausrichtung mit nur zwei Manndeckern (Nowotny, Wörns) sich selbst gegen die allenfalls zweitklassigen Gäste als zu riskant erwies. Beim ersten nennenswerten Angriff wurde Jungstar Sebastian Kehl, der sich auf dem ungewohnten Posten im linken Mittelfeld als Achillesferse erwies, überspielt. Idan Tals Schuss klatschte gegen die Latte und von da gegen das Knie von Kahn, der das Leder in seinem ersten Spiel als Kapitän unfreiwillig ins eigene Tor lenkte. Damit kam es zum Bruch im Spiel der Deutschen, die in der Folge nichts mehr zu Wege brachten und mit Pfiffen in die Pause entlassen wurden.

"Wir haben ein engagiertes Spiel geliefert, aber unsere vielen Torchancen nicht genutzt. Uns fehlte oft genug das Quäntchen Glück", ärgerte sich DFB-Trainer Michael Skibbe. Nach dem Wechsel brachte Teamchef Rudi Völler Thomas Linke für Nowotny (Adduktorenprobleme). Nachdem erneut Scholl (48.) noch knapp den Ausgleich verpasste, kam Kloses großer Auftritt: Binnen 90 Sekunden drehte der Lauterer in seinem ersten Länderspiel von Beginn den Spieß per Doppelschlag um.

Nun lief das Spiel der Deutschen, die in den ersten 45 Minuten das Flügelspiel sehr vernachlässigt hatten, klar besser. Die Sicherheit kam zurück - und die Tore fielen wie die reifen Früchte. Hamann mit einem satten Distanzschuss, Klose mit seinem fünften Länderspiel- Treffer per Abstauber sowie der eingewechselte Ex-Kapitän Bierhoff, der für den frenetisch gefeierten Klose gekommene Asamoah und Ricken mit seinem ersten Länderspieltor sorgten am Ende noch für ein Schützenfest und tolle Stimmung auf den Rängen.

Das erste Länderspiel Israels auf deutschem Boden war schon vor dem Anpfiff von den schärfsten Sicherheitskontrollen aller Zeiten in einem deutschen Fußball-Stadion begleitet worden. Ein gigantisches Aufgebot an Polizisten und Einsatzkräften überwachte das Gelände rund um den Betzenberg und sorgte dafür, dass es zu keinen Zwischenfällen kam. An 80 "Schleusen" wurden die Zuschauer intensiv mit Detektoren nach gefährlichen Gegenständen abgesucht. Aus Furcht vor Anschlägen wurde den israelischen Akteuren seit ihrer Anreise am Montag außerdem rund um die Uhr von Einsatzkräften aus mehreren Bundesländern Begleitschutz gegeben. Die Polizei hatte die Besucher wegen der scharfen Kontrollen aufgerufen, schon lange vor dem Anpfiff ins Stadion zu kommen. Bereits um 16.30 Uhr wurden die Tore geöffnet.

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