Scharon beruft Kabinett zu Sondersitzung ein
Autonomiebehörde geht gegen Palästinenser vor

Nach den Selbstmordanschlägen in Israel hat die unter massiven Druck geratene Autonomiebehörde ihr Vorgehen gegen radikale Palästinenser verschärft. Im Westjordanland und im Gazastreifen nahmen die palästinensischen Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben 75 Mitglieder der radikalen Organisationen Hamas und Islamischer Dschihad fest, unter ihnen mehrere Anführer.

afp JERUSALEM/GAZA. Der israelische Regierungschef Ariel Scharon beendete seinen USA-Besuch und berief für den Abend sein Kabinett zu einer Sondersitzung ein. Ein Regierungsvertreter beschuldigte Palästinenserpräsident Jassir Arafat in Washington, "an der Spitze einer Terrorkoalition" zu stehen.

Mindestens 50 Mitglieder von Hamas und Dschihad seien im Westjordanland festgenommen worden, 25 Mitglieder des Islamischen Dschihad im Gazastreifen, sagte ein palästinensischer Sicherheitsbeamter. Unter ihnen hätten sich auch drei ranghohe Anführer befunden. Zu den Anschlägen in Jerusalem und Haifa, bei denen palästinensische Selbstmordattentäter am Samstag und Sonntag 24 Menschen mit in den Tod gerissen und mehr als 220 verletzt hatten, bekannte sich die Hamas. Die palästinensische Autonomiebehörde verhängte daraufhin den Ausnahmezustand und kündigte an, sie werde die Verantwortlichen verfolgen und festnehmen.

Auf der Sondersitzung des israelischen Kabinetts solle über die Reaktion auf die Anschläge entschieden werden, kündigte der Regierungsvertreter an. "Wir werden alles tun, was wir tun müssen." Israel könne sich bei seinem Schutz nur auf sich selbst verlassen und erwarte nun "gar nichts mehr" von Arafat. Dieser sei als Chef der Autonomiebehörde nicht unersetzbar, fügte der Regierungsvertreter hinzu. Scharon war in Washington mit US-Präsident George W. Bush zusammengetroffen. Das Gespräch war wegen der Attentatsserie in Israel vorgezogen worden. Bush und UN-Generalsekretär Kofi Annan forderten Arafat auf, sofort und entschlossen gegen die Verantwortlichen durchzugreifen.

Der Nahost-Mission der US-Sondergesandten Anthony Zinni und William Burns versetzten die Anschläge einen herben Rückschlag. Zinni wurde bei der Besichtigung der Tatorte in Jerusalem am Sonntag von hunderten aufgebrachter Israelis empfangen, die ihn in Sprechchören zur Abreise aufforderten. Der israelische Verteidigungsminister Benjamin Ben Elieser machte bei einem Treffen mit Zinni in Tel Aviv am Abend die "Weigerung der Autonomiebehörde und ihres Chefs, die Gewalt und den Terror zu beenden", für die Anschläge verantwortlich. Arafat müsse jetzt nach den "Resultaten seines Kampfes gegen den Terrorismus" beurteilt werden, forderte Elieser in einer von seinem Ministerium verbreiteten Erklärung.

Die radikalislamische Hamas-Bewegung verkündete am Sonntagabend, über gewaltbereite Selbstmordattentäter "für noch weitere zwanzig Jahre" zu verfügen. "Unser Ziel ist es, den Preis für die Besatzung in die Höhe zu treiben", sagte der politische Hamas-Anführer Chaled Mechaal in Damaskus. "Letztlich werden wir siegen, weil der Feind die Verluste nicht erträgt."

Im Westjordanland erschossen israelische Soldaten in der Nacht zu Montag fünf Palästinenser. Nahe der autonomen Stadt Dschenin im Norden des Westjordanlandes hätten vier bewaffnete Palästinenser das Feuer auf eine Militärpatrouille eröffnet, teilte das israelische Militär mit. Daraufhin hätten die Soldaten vier der Angreifer erschossen. Ein weiterer Palästinenser wurde in der Nähe von Tulkarem getötet. Nach palästinensischen Angaben handelte es sich dabei um ein 19-jähriges Mitglied der Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Arafat. In 14 Monaten Intifada wurden damit 1043 Menschen getötet, unter ihnen 799 Palästinenser und 222 Israelis.

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