Scharon beruft Krisensitzung ein
Fünf Tote bei Überfall auf jüdische Siedlung

Zwei mutmaßliche palästinensische Extremisten haben am Donnerstagabend eine jüdische Siedlung im Westjordanland überfallen und fünf Israelis getötet.

Wiwo/ap JERUSALEM. Acht weitere wurden nach Armeeangaben verletzt. Die Männer drangen nach Itamar bei Nablus ein und nahmen in einem Haus mehrere Geiseln. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon brach einen öffentlichen Auftritt ab und rief ranghohe Vertraute zu einer Krisensitzung zusammen.

Scharons Sprecher Raanan Gissin sagte: "Dies ist ein schrecklicher Angriff, und auf solche Dinge muss es immer eine Antwort geben." Bei den Toten handelt es nach Militärangaben um eine Mutter, ihre drei Kinder sowie einen Soldaten, der verwundet wurde, als die Armee das besetzte Haus stürmte. Beim Schusswechsel mit den Soldaten wurde auch einer der Angreifer getötet. Ein zweiter sei aus dem Fenster gesprungen und habe auf die Soldaten geschossen, hieß es weiter.

In einem Anruf bei der Nachrichtenagentur AP bekannte sich die Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) zu dem Überfall. Der Anrufer sagte, es handle sich um Vergeltung für die Verhaftung eines PFLP-Führers und Israels Versuche, das Westjordanland von Israel abzugrenzen.

Aussagen eines Nachbars zufolge hat die Familie, in deren Haus die Angreifer eindrangen, sieben Kinder. Der Vater sei zum Zeitpunkt des Überfalls nicht daheim gewesen. Ein Siedler, Jaakow Heiman, sagte im israelischen Radio, unter den Toten sei ein kleiner Junge. "Wir haben Schreie gehört. Wir haben das Haus verschlossen, und dann kam die Armee", sagte er.

Der Überfall ereignete sich gegen 21.30 Uhr Ortszeit (20.30 Uhr MESZ). Die Siedlung Itamar ist nicht eingezäunt. Bereits am 29. Mai hatte ein bewaffneter Palästinenser bei einem Amoklauf in einer Schule in Itamar drei israelische Jugendliche erschossen. Als Vergeltung für die jüngsten Selbstmordanschläge mit insgesamt 26 Toten weitete Israel seine Militäroffensive in den palästinensischen Gebieten am Donnerstag aus. Die Armee berief rund 1. 200 Reservisten ein und rückte in fünf Orte im Westjordanland ein. Der palästinensische Präsident Jassir Arafat rief sein Volk zu einem Ende der Angriffe auf Zivilpersonen auf.

Die USA reagierten verhalten auf Arafats Erklärung. Präsident George W. Bush erwarte mehr als nur rhetorische Versprechen, nämlich konkrete Aktionen, erklärte ein Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer. In einem Telefonat mit Scharon bekräftigte Bush später, dass er weiter nach Wegen suche, um die Sicherheit Israels zu stärken. Bush habe in dem zehn- bis 15-minütigen Gespräch sein Bedauern über die beiden jüngsten Anschläge zum Ausdruck gebracht, sagte Fleischer. Am Mittwoch hatte Bush seine mit Spannung erwartete Nahost-Rede wegen der jüngsten Anschläge auf unbestimmte Zeit verschoben. Aus Regierungskreisen verlautete am Donnerstag, wichtige Elemente der Rede seien noch Thema von Diskussionen.

US-Außenminister Colin Powell erörterte die Lage telefonisch mit seinen Kollegen aus Jordanien, Ägypten, Saudi-Arabien, Großbritannien und Russland. Auch mit dem EU-Außenbeauftragten Javier Solana sprach Powell.

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