Scharon droht Härte gegen Palästinenser an - Nach Mord an Seewi - Drei Palästinenser bei Anschlag getötet - Panzer rücken in Autonomiegebiet vor - Israeli bei Überfall getötet
Neue Welle der Gewalt im Nahen Osten

Israel und Palästina haben am nach der Ermordung des israelischen Tourismusministers Rehawam Seewi am Donnerstag wieder eine neue Welle der Gewalt erlebt.

ap JERUSALEM. Sie bedrohte den gesamten Friedensprozess und die Bemühungen der USA um arabische Unterstützung für den Krieg gegen den Terror. Kurz nachdem der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon die Palästinenser am Donnerstag ultimativ zur Auslieferung der Schuldigen aufgefordert und mit Vergeltung gedroht hatte, kamen bei einem Bombenanschlag drei militante Palästinenser ums Leben. Zuvor schon waren israelische Panzer bei Dschenin und Ramallah ins Autonomiegebiet des Westjordanlands vorgerückt. Dabei wurden ebenfalls drei Palästinenser getötet, unter ihnen ein zwölfjähriges Mädchen, dessen Grundschule von einer israelischen Granate getroffen wurde.

Nach dem Tod der drei militanten Palästinenser, darunter der von Israel gesuchte Milizführer Atef Abajat, beschossen ihre Anhänger am Rande von Jerusalem die jüdische Siedlung Gilo. Die Armee erwiderte das Feuer. Später eröffnete Palästinenser das Feuer auf einen zwischen Jerusalem und Jericho fahrenden Wagen. Dabei wurden nach Angaben der israelischen Armee ein Israeli getötet und ein weiterer schwer verletzt.

In einer Erklärung des israelischen Sicherheitskabinetts hieß es, wenn der palästinensische Präsident Jassir Arafat den israelischen Forderungen - darunter auch ein Verbot militanter Organisationen - nicht nachkomme, werde Israel dessen Regierung als «den Terrorismus unterstützende Einrichtung» einstufen und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Die Zeitung «Maariv» zitierte Scharon gar mit den Worten, wenn Arafat den Forderungen nicht binnen einer Woche nachgekommen sei, «werden wir gegen ihn in den Krieg ziehen». Laut «Jediot Achronot» sagte Scharon dem Kabinett, der Konflikt mit den Palästinensern habe «eine neue Stufe» erreicht. Für ihn sei die Ära Arafat zu Ende. Bislang hat die Autonomiebehörde noch nie mutmaßliche Extremisten an Israel ausgeliefert.

Auch am Donnerstag wies die Regierung Israels Forderung zurück. «Wir nehmen keine Befehle von Scharon oder seiner Regierung entgegen», sagte Informationsminister Jassir Abed Rabbo. Allerdings erklärte der Arafat Berater Tajeb Abdel Rahim, jede Organisation, die gegen die Friedensvereinbarung mit Israel verstoße, werde als illegal betrachtet. Damit sollte angedeutet werden, dass deren Mitglieder festgenommen werden könnten.

Nach dem Mordanschlag vom Mittwoch nahmen palästinensische Sicherheitskräfte am Donnerstag im Gazastreifen elf Mitglieder der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) fest, die sich zu dem Anschlag auf Seewi bekannt hatte. Die Autonomiebehörde erklärte unterdessen, sie habe ein israelisches Komplott zur Ermordung Arafats aufgedeckt. Die israelische Regierung wies dies zurück.

Israel wirft Arafat vor, die militanten Gruppen gewähren zu lassen. «Diese Art von Schutz ist genau der, wie ihn auch die Taliban in Afghanistan (dem mutmaßlichen Terroristenführer Osama bin Laden) gewähren», sagte Kabinettsekretär Gideon Saar. Für das Attentat auf Seewi ist nach den Worten des ägyptischen Außenministers Ahmed Maher letztlich die israelische Politik der gezielten Tötungen von Palästinensern verantwortlich. Er bedauere die Ermordung des Tourismusministers, die sich aus der gewaltsamen Politik von Ministerpräsident Ariel Scharon ergeben habe, sagte Maher. Mit der Tötung führender Palästinenser habe Israel aber ein Klima geschaffen, in dem jede Gewalt mit Gewalt beantwortet werde.

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