Scharon droht mit Einmarsch in Gaza
Belagerung Arafats geht weiter

Israels Ministerpräsident Ariel Scharon hat den Palästinensern im Fall von weiteren Terroranschlägen mit einem Einmarsch im Gazastreifen gedroht. Ziel sei ein Schlag gegen die radikal-islamische Hamas-Bewegung, sagte Scharon am Montag im israelischen Rundfunk.

HB/dpa RAMALLAH/JERUSALEM. Aus Sicherheitskreisen hieß es außerdem, dass das spirituelle Oberhaupt der Hamas, Scheich Ahmed Jassin, bei weiteren Anschlägen festgenommen werde.

Zuvor hatte sich bei ersten Gesprächen zwischen Israelis und Palästinensern nach der Belagerung von Palästinenserpräsident Jassir Arafat in Ramallah kein Ende der Krise abgezeichnet. Der palästinensische Kommunalminister Sajeb Erekat sagte, Arafat lehne es ab, Israel eine Liste mit den Namen der 200 in seinem Hauptquartier eingeschlossenen Männer zu übergeben. In seinem Gespräch mit den Israelis sei es auch um humanitäre Hilfe für die Belagerten gegangen. Mit der Belagerung werde Israel den Palästinensern und deren Führung keine politische Lösung aufzwingen können, sagte Erekat.

Ein Berater Scharons sagte dem Armeerundfunk, dass die Belagerung fortgesetzt werde, bis die Gesuchten aufgäben. Israel glaubt, dass rund 50 Männer Zuflucht in Arafats Hauptquartier gefunden haben, die in Terroraktionen verstrickt sind. Der israelische Kabinettssekretär Gideon Saar sagte, Arafat könne seinen Amtssitz umgehend verlassen, sobald er die von Israel gesuchten Palästinenser ausliefere.

Innerhalb der israelischen Regierung zeichnete sich ein Streit über das weitere Vorgehen in Ramallah ab. Der rechtsgerichtete Umweltminister Zachi Hanegbi sagte im israelischen Rundfunk, die Operation "Eine Frage der Zeit" sei nicht beendet. Arafat werde "letztendlich deportiert" werden - entweder noch in diesem Monat oder im kommenden. Außenminister Schimon Peres sprach sich jedoch entschieden gegen eine Ausweisung des Palästinenserführers aus. Ein solcher Schritt würde nur zu einer erneuten Stärkung Arafats beitragen, betonte Peres.

Bei einer Demonstration in Bethlehem protestierten erneut Tausende von Palästinensern gegen die Belagerung von Arafat und bekundeten ihre Solidarität mit dem Palästinenserführer. Am Sonntagabend hatte die israelische Armee die Bulldozer vom Hauptquartier Arafats abgezogen, das Pioniere zuvor noch Stück für Stück eingerissen hatten. Arafat hält sich in den wenigen noch intakten Räumen seines Amtssitzes mit rund 200 Beratern und Sicherheitskräften verschanzt. Nach dem Stopp der Abrissaktionen versorgte die Armee die Eingeschlossenen mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Israel hatte am Donnerstagabend mit der Zerstörung des Hauptquartiers begonnen, nachdem ein palästinensischer Selbstmordattentäter in Tel Aviv sechs Menschen mit sich in den Tod riss.

In Jerusalem wurde die Polizei unterdessen am Montag angesichts konkreter Warnungen vor einem geplanten Anschlag in höchsten Terroralarm versetzt. Die Sicherheitskräfte durchkämmten mit Unterstützung eines Hubschraubers den nördlichen Teil der Stadt, nachdem sie Warnungen über das Eindringen von Attentätern aus arabischen Ortschaften am Rande der Stadt erhalten hatten.

Gleichzeitig berichteten israelische Medien, drei mutmaßliche Mitglieder einer palästinensischen Terrorzelle, die im Irak vom dortigen Geheimdienst mit Angehörigen der Al Kaida-Gruppe trainiert hätten, seien den israelischen Fahndern vor einem Monat ins Netz gegangen. Die Palästinenser hätten Anschläge in Israel geplant. Eine Delegation israelischer Offiziere sei in die USA geflogen, um dort über die angeblich wachsende irakische Einflussnahme in den Palästinensergebieten zu berichten.

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