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Scharon geht auf Palästinenser zu

Nach einer Lockerung der israelischen Vorbedingungen für Nahost-Friedensgespräche hat PLO-Chef Mahmud Abbas am Freitag zu neuen Verhandlungen aufgerufen.

dpa TEL AVIV. Nach einer Lockerung der israelischen Vorbedingungen für Nahost-Friedensgespräche hat PLO-Chef Mahmud Abbas am Freitag zu neuen Verhandlungen aufgerufen.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hatte am Donnerstagabend als ersten Schritt eine Beendigung der anti-israelischen Propaganda und eine Veränderung der Erziehung gefordert. Seine bisherige Hauptforderung, die sofortige Auflösung der radikalen Palästinensergruppen und ihre Entwaffnung, nannte er einen "komplexen und langwierigen Prozess". Er betonte allerdings während der Ansprache vor Aktivisten seiner Likud-Partei, er wolle diese Bedingung keinesfalls aufgeben.

Abbas rief daraufhin am Freitag zu neuen Gesprächen Israels mit den Palästinensern auf. Allerdings müsse auch Israel anti-palästinensische Äußerungen stoppen. Beide Seiten könnten das Problem bei neuen Verhandlungen besprechen. Der PLO-Chef hält sich gegenwärtig zu einer Reihe von Gesprächen mit den verschiedenen palästinensischen Fraktionen im Gazastreifen auf.

Der palästinensische Verhandlungsminister Sajeb Erekat kritisierte am Freitag, Scharon könne den Palästinensern keine Bedingungen aufzwingen. Der internationale Friedensplan für Nahost (Road Map) fordere von beiden Seiten ein Ende der Aufhetzung und der Gewalt. "Wir werden unseren Teil erfüllen, aber Israel muss dies ebenfalls tun", erklärte er.

Scharon kündigte während seiner Rede an, er wolle keine Zeit verschwenden und "jeden Weg beschreiten", um Kontakte aufzunehmen, "damit wir unsere Beziehungen mit den Palästinensern voranbringen können". Gleichzeitig betonte Scharon, er wolle nicht von seinem einseitigen Abtrennungsplan von Palästinensergebieten abrücken. Der israelische Außenminister Silwan Schalom sagte am Freitag, Israel sei an einer Koordinierung des Abzugs aus dem Gazastreifen mit der palästinensischen Führung interessiert.

Am Sonntag wird der scheidende US-Außenminister Colin Powell zu seiner Abschiedsreise im Nahen Osten erwartet. Am Montag sind Gespräche mit der israelischen Führung sowie dem palästinensischen Außenminister Nabil Schaath in Jericho geplant. Am Dienstag steht ein Besuch des russischen Außenministers Sergej Lawrow auf dem Programm. Zum Ende der Woche sollen dann dessen Amtskollegen aus Großbritannien und Spanien anreisen. Schaath hatte am Donnerstag eine neue diplomatische Initiative des Nahost-Quartetts (UN, EU, USA und Russland) angekündigt. Auch der Bundesaußenminister Joschka Fischer wird zu ersten Gesprächen mit der neuen palästinensischen Führung erwartet.

Unterdessen wurde am Freitagabend bei einer schweren Explosion im Gazastreifen ein palästinensischer Polizist tödlich verletzt. Nach Angaben palästinensischer Ärzte und Sicherheitskräfte wurde der 33-Jährige getötet, als die Besatzung eines israelischen Panzers eine Granate auf seinen Stützpunkt nordöstlich der Stadt Gaza abfeuerte. Ein weiterer Palästinenser habe dabei Verletzungen erlitten. Eine israelische Armeesprecherin teilte hingegen mit, die Armee habe mit dem Vorfall nichts zu tun gehabt. In der Gegend seien zu der Zeit keine Granaten aufgefeuert worden. Möglicherweise handele es sich um einen "Arbeitsunfall", die vorzeitige Explosion eines selbst gebauten Sprengsatzes.

Am Vormittag hatten militante Palästinenser mindestens fünf Mörsergranaten auf jüdische Siedlungen im südlichen Gazastreifen abgefeuert. Mehrere Einwohner mussten wegen Schocks behandelt werden.

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