Scharon liegt in Umfragen vorn
Barak verliert Rückhalt in der Bevölkerung

4 Wochen vor der Ministerpräsidentenwahl in Israel finden Baraks Friedensbemühungen immer weniger Unterstützung in der Bevölkerung. Oppositionführer Ariel Scharon baute laut Umfrageergebnissen seinen Vorsprung auf Barak weiter aus.

ap JERUSALEM. Der israelische Ministerpräsident Ehud Barak verliert offenbar zunehmend die Unterstützung der Bevölkerung für seine Friedensbemühungen. Einer am Freitag veröffentlichten Umfrage zufolge baute der rechtsgerichtete Oppositionsführer Ariel Scharon seinen Vorsprung vor dem Amtsinhaber weiter aus. Scharon hatte wiederholt betont, er werde im Falle eines Siegs bei der Ministerpräsidentenwahl am 6. Februar ein von Barak unterzeichnetes Abkommen mit den Palästinensern nicht anerkennen.

Aus der jüngsten Umfrage, die die Tageszeitung "Maariv" veröffentlichte, geht hervor, dass Scharon bei der Wahl zurzeit mit 50 % der Stimmen rechnen kann - das ist gegenüber der vergangenen Woche ein Zuwachs von fünf Prozentpunkten. Barak wird dagegen nur von 22 % der Befragten unterstützt, vor einer Woche waren es noch 24 %. Der amtierende Regierungschef hatte erklärt, er wolle die Wahl zu einem Referendum über ein mögliches Abkommen mit den Palästinensern machen.

Würde anstelle Baraks der ehemalige Ministerpräsident Schimon Peres gegen Scharon antreten, hätte dieser laut "Maariv" Chancen, die Wahl zu gewinnen. 46 % der Befragten würden demzufolge den Friedensnobelpreisträger wählen, Scharon käme dann nur auf 43 %.

Geteilt zeigt sich die israelische Bevölkerung auch hinsichtlich des Vermittlungsvorschlags von US-Präsident Bill Clinton. Knapp die Hälfte der Befragten, nämlich 49 %, ist "Maariv" zufolge gegen einen Friedensvertrag auf der Basis der amerikanischen Pläne, 46 % sind dafür. Aus Kreisen einer israelischen Verhandlungsdelegation wurde am Donnerstagabend in Washington bekannt, Israel akzeptiere die Initiative als Grundlage für weitere Gespräche.

Der israelische Außenminister Schlomo Ben Ami sagte in einem Gespräch mit der Tageszeitung "Die Welt", Israel sei bereit, den Palästinensern Ostjerusalem als Hauptstadt ihres eigenen Staates zu übergeben. Ben Ami würdigte den Mut Arafats. Ein wirklicher Beweis politischer Führung liege in der Bereitschaft, über eine historische Lösung zu verhandeln, die die Nation spalten werde, sagte er dem Bericht zufolge. Barak hatte am Donnerstagabend bei einem Wahlkampfauftritt in Tel Aviv sein "Nein" zu einer Rückkehr von Mill. palästinensischer Flüchtlinge nach Israel bekräftigt. Auch werde Israel niemals, wie von Clinton vorgeschlagen, die Souveränität über den Tempelberg in Jerusalem an die Palästinenser übergeben, sagte Barak.

Unklar ist noch, ob auch die Palästinenser eine Delegation zu Gesprächen nach Washington schicken. Dies werde erst entschieden, wenn die Ergebnisse der israelisch-amerikanischen Gespräche bekannt seien, sagte der palästinensische Chefvermittler Sajeb Erakat am Freitag. Israel macht eine Wiederaufnahme der Verhandlungen auch von einem Ende der Gewalt abhängig, die seit Ende September fast 360 Menschen das Leben gekostet hat.



Palästinenser im Gazastreifen erschossen



Am Freitag wurde ein Palästinenser im Gazastreifen erschossen. Der Mann habe am Grenzübergang Eres den Zaun eines Militärpostens erklettert und offenbar einen Angriff geplant, erklärte ein Militärsprecher. Zu den moslemischen Freitagsgebeten in der Jerusalemer Al-Aksa-Moschee wurden erneut keine Palästinenser aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen zugelassen. Mehrere hundert Palästinenser protestierten gegen das Verbot.



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