Scharon steht unter dem Druck
Scharon beruft nach Überfall Sicherheitskabinett ein

Nach der Tötung dreier junger Juden im Westjordanland hat der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon am Mittwoch den Sicherheitsausschuss des Kabinettes einberufen.

Reuters JERUSALEM. Die vermehrten palästinensischen Angriffe und israelischen Militärvorstöße haben die Spannungen in einer Weise steigen lassen, dass sie die Bemühungen um Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen nach 20 Monaten Palästinenser-Aufstand gefährden könnten.

Mit dem Tod der drei Juden, des Angreifers und eines weiteren Palästinensers in Dschenin stieg die Zahl der Toten auf 1 861 - 1 375 Palästinenser und 486 Israelis. Der Überfall ereignete sich am Dienstag in der Siedlung Itamar bei Nablus. Ziel war eine Religionsschule, wie der Rundfunk meldete. Zwei der Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren wurden beim Basketballspielen erschossen, der Dritte in der Schule. Ein Siedler erschoss den Angreifer.

Bei einem Vorstoß nach Dschenin hatte zuvor die Armee einen Palästinenser getötet. Israelische Soldaten reagierten in der Nacht zum Mittwoch mit neuen Vorstößen nach Kalkilja und Ortschaften in der Umgebung Bethlehems. Es seien bei Hausdurchsuchungen acht Personen festgenommen worden, teilte die Armee mit. "Israel wird alles unternehmen, um die Zivilbevölkerung vor diesen Angriffen zu schützen", sagte Regierungssprecher Dore Gold am Rande der Beratungen Scharons mit den für Sicherheitsfragen zuständigen Ministern.

Scharon sieht sich mit Forderungen rechter Kabinettsmitglieder konfrontiert, wieder härter gegen die Palästinenser vorzugehen. Ostern begann die Armee eine sechswöchige Offensive im Westjordanland, um Selbstmordanschläge palästinensischer Extremisten zu verhindern. "Es gibt keinen politischen Horizont, und es wird bis zu einer militärischen Entscheidung keine geben", sagte Minister Ephraim Eitam im Armeerundfunk.

Scharon steht aber auch unter dem Druck linker Kabinettsmitglieder und des Auslandes, sich zurückzuhalten, um eine Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen zu ermöglichen. Als Ziel formulierte Bundesaußenminister Joschka Fischer bei der Entgegennahme der Ehrendoktorwürde der Universität Haifa am Mittwoch ein in Sicherheit lebendes Israel und ein demokratisches Palästina.

In der amerikanischen Regierung gibt es nach Angaben aus der Umgebung des Präsidenten George W. Bush Überlegungen, Israel und den Palästinensern öffentlich einen Zeitplan für Verhandlungen vorzugeben. Bislang hat Bush immer gesagt, einen Zeitplan zu setzen sei Angelegenheit der Parteien. Beim Italien-Aufenthalt des Präsidenten verlautete, die USA konsultierten Freunde und Verbündete. Im Nahen Osten werden noch diese Woche zuerst der amerikanischen Nahost-Gesandte Williams Burns und dann der Direktor des US-Geheimdienstes CIA, George Tenet, erwartet.

Burns beginnt seine Sondierungen nach Angaben des US-Außenministeriums in Ägypten, spricht mit Israel und den Palästinensern und konferiert dann in Jordanien, Saudi-Arabien, Syrien und Libanon. Die USA, Russland, die Europäische Union und die Vereinten Nationen planen für den Sommer eine Nahost-Konferenz.

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