Scharping ist gegen Feuerpause im Ramadan
Taliban wehren Offensive in Nordafghanistan ab

Im Norden Afghanistans haben Truppen der regierenden Taliban einem Agenturbericht zufolge eine Offensive der von den USA unterstützten Nordallianz zurückgeschlagen. Die in Pakistan ansässige Agentur AIP meldete am Donnerstag weiter, trotz nächtlicher US-Bombardements in der Provinz Samangan hätten die Taliban in dreistündigen Kämpfen mit der Nordallianz ihre Stellungen nahe der Stadt Dara-i-Suf halten können.

Reuters KANDAHAR. Die USA dementierten unterdessen einen Bericht, wonach ein US-Kampfflugzeug am Mittwoch ein Hospital im südafghanischen Kandahar bombardiert habe. Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping sprach sich für eine eingeschränkte Fortsetzung der US-Angriffe auch nach Beginn des moslemischen Fastenmonats Ramadan aus.

Die private Agentur AIP meldete unter Berufung auf einen Taliban-Sprecher, der Verlauf der Frontlinie sei unverändert. Die Nordallianz, die in Samangan von dem usbekischen Feldkommandeur Abdul Raschid Dostum angeführt wird, äußerte sich nicht zu dem AIP-Bericht. Der Agentur zufolge liegen die Taliban-Stellungen der Taliban nahe Dara-i-Suf bereits seit über zwei Wochen unter US-Beschuss.

Am Mittwoch hatten die USA Taliban-Stellungen nördlich der Hauptstadt Kabul mit Flächenbombardements belegt. Zugleich hatte ein Vertreter der oppositionellen Nordallianz für die nächsten Tage eine Offensive nördlich von Kabul angekündigt. In der Nacht zum Donnerstag wurden in Kabul und der nördlich der Hauptstadt verlaufenden Front jedoch keine US-Angriffe beobachtet.

Angeblich Krankenhaus bombardiert

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums sagte unterdessen, die USA hätten in Kandahar kein Krankenhaus, sondern ein "legitimes terroristisches Ziel" getroffen. Er wies damit Angaben eines Arztes aus Kandahar zurück, wonach am Morgen ein Krankenhaus der Roten Halbmondgesellschaft bombardiert wurde. Der Arzt hatte gesagt, bei dem Angriff seien elf Menschen getötet und sechs verletzt worden. Das US-Verteidigundsministerium teilte mit, nahe dem getroffenen Ziel liege ein Krankenhaus und eine Einrichtung des Roten Halbmondes. Beide Gebäude seien jedoch nicht getroffen worden.

Den Angaben zufolge liegt das Krankenhaus etwa rund 300 Meter und die Einrichtung des Roten Halbmondes knapp 200 Meter von dem getroffenen Ziel entfernt. Die von dem Kampfflugzeug abgeworfene Bombe sei mit Hilfe von Satelliten ins Ziel gelenkt worden.

Nach Angaben der radikal-islamischen Taliban-Regierung sind bei den von den USA geführten Luftangriffen in Afghanistan hunderte Zivilisten getötet worden. Unabhängige Berichte über Opfer von Bombeneinschlägen gibt es nicht. Die USA haben jedoch mehrfach eingeräumt, zivile Ziele getroffen zu haben. Sie greifen seit dem 7. Oktober mit britischer Unterstützung in Afghanistan Ziele der Taliban und der Organisation des moslemischen Extremisten, Osama bin Laden, El Kaida, an. Die USA machen Bin Laden und El Kaida für die Anschlägen am 11. September in New York und bei Washington verantwortlich. Bei den Flugzeuganschlägen sind vermutlich rund 4800 Menschen getötet worden.

Keine Feuerpause

Eine Feuerpause im Ramadan sei kontraproduktiv, wenn sie dazu führe, dass sich die Taliban oder die El-Kaida-Organisation Bin Ladens neu strukturieren könnten, sagte Bundesverteidigungsminister Scharping im Deutschlandfunk. "Das ist ein schwieriger Abwägungsprozess, der in meinen Augen zu dem Ergebnis führt, dass man bei sehr genau abgemessenen militärischen Maßnahmen bleiben wird und vielleicht auf den einen oder anderen besonders hohen Feiertag Rücksicht nehmen kann."

Die von den USA angekündigte Fortsetzung der Angriffe im Fastenmonat Ramadan, der Mitte November beginnt, würde zwar kein moslemisches Tabu brechen, könnte aber anti-amerikanische Stimmungen in vielen moslemischen Ländern anheizen. So haben bereits Moslems in Asien die USA vor einer Welle von Hass und Gewalt gewarnt, falls die Angriffe im Ramadan fortgesetzt würden.

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