Scharping macht Rückzieher
Panzer „Panther“ rollt ins Aus

Tiefschlag für die deutsche Rüstungsindustrie: Verteidigungsminister Rudolf Scharping geht auf Distanz zum Schützenpanzer Panther. Damit steht das milliardenschwere Projekt vor dem Scheitern.

BERLIN. Die Bundesregierung stoppt das gut 2 Mrd. ? teure Rüstungsprojekt "Panther". Die Ausschreibung für das Nachfolgemodell des Schützenpanzers "Marder" wurde auf Veranlassung des Bundesverteidigungsministeriums aufgehoben. "Der bisher verfolgte Ansatz einer vollständigen Neuentwicklung muss zu Gunsten eines bereits in 2004 verfügbaren Fahrzeugs zurückgestellt werden", heißt es in einem Schreiben des Ministeriums vom 10. Juli, das dem Handelsblatt vorliegt. Damit steht das Schlüsselprojekt für die Modernisierung des deutschen Heeres in diesem Jahrzehnt auf der Kippe.

Die beiden Panzerbauer Krauss Wegmann-Maffei (KMW) und Rheinmetall hatten vorgeschlagen, die ersten Fahrzeuge des Panther erst 2008 auszuliefern. Das entspricht nach Einschätzung des Verteidigungsministeriums nicht mehr den Anforderungen des Heeres. Erfahrungen aus den internationalen Einsätzen der Bundeswehr in Afghanistan und auf dem Balkan belegten, dass ein "erheblich dringenderer Zeitbedarf" bestehe.

Die Entscheidung des Bundesverteidigungsministeriums hat die beteiligten Firmen völlig überrascht. Bisher gingen sie davon aus, dass bei der Haushaltsausschusssitzung des Bundestages am 12. September grünes Licht für die 285 Mill. ? teure Entwicklung des Projektes gegeben wird. Die erste Tranche sollte 410 Fahrzeuge zu einem Stückpreis von rund 5 Mill. ? umfassen. KMW geht davon aus, dass die Regierung nach wie vor zum Panther-Projekt stehe.

Der CDU-Verteidigungsexperte Paul Breuer sprach gegenüber dem Handelsblatt von einer willkürlichen Maßnahme des Bundesverteidigungsministeriums. "So ein Projekt kann man nicht aus dem Hut zaubern. Das braucht seine Zeit." Sollte die Bundesregierung beabsichtigen, sich bei dem Nachfolgemodell für den Schützenpanzer Marder im Ausland zu orientieren, zerstöre sie die deutsche Rüstungsindustrie. Gerade die deutsche Panzerindustrie verfüge über die Systemfähigkeit, um so ein Projekt zu "stemmen". Breuer hält es strategisch und industriepolitisch für richtig, ein neues und technologisch weltweit führendes Fahrzeug zu bauen. Damit würden sich auch die Chancen der deutschen Wehrindustrie verbessern, bei der anstehenden Konsolidierung der Rüstungsindustrie auf europäischer Ebene eine führende Rolle zu spielen.

Dass der Schützenpanzer nun früher benötigt werde, sei nicht der Industrie anzukreiden, so ein KMW-Sprecher. Schließlich sei bereits 1990 geplant gewesen, für Ersatz zu sorgen. Keine Alternative zu dem geplanten Panther sei beispielsweise das schwedische Produkt CV 90, das bereits auf dem Markt sei. Dieses erfülle nicht die Anforderungen, die in Krisenreaktionseinsätzen an den Panther gestellt würden.

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