Scharping sieht Erfolge seiner Reformmaßnahmen
Bundeswehr ohne Nachwuchssorgen

Vor Journalisten in Berlin wies Scharping am Montag darauf hin, dass es für jede der jährlich neu zu besetzenden 27 000 Stellen von Zeit- und Berufssoldaten im Durchschnitt 6,5 Bewerber gebe. Das erleichtere eine qualitätsorientierte Auswahl.

wiwo/ap BERLIN. Scharping will im Zuge der Streitkräftereform die Zahl der Zeit- und Berufssoldaten bis 2010 von rund 188 000 auf 203 000 aufstocken. Zusätzlich haben die neuen Anforderungen des Antiterrorkampfes rund 5 000 Experten für Spezialaufgaben erforderlich gemacht. Dazu will Scharping jedes Jahr 25 000 Zeit- und Berufssoldaten der Unteroffiziers- und Mannschaftslaufbahnen sowie 2 000 Offiziersanwärter einstellen. Rund die Hälfte der Bewerbungen kommt jeweils aus dem Kreis der Wehrpflichtigen. Ein ernstes Nachwuchsproblem hat die Bundeswehr nach Angaben des Ministers allerdings im Bereich der Offiziere des Sanitätsdienstes. Das sei aber kein auf die Armee beschränktes Problem: Deutschland stehe insgesamt vor einem Medizinermangel.

Laut Scharping beginnen die Maßnahmen zur Beseitigung des Beförderungsstaus und zur Erhöhung der Attraktivität des Arbeitsplatzes Bundeswehr zu wirken. So seien alle in Frage kommenden Soldaten ab dem 50. Lebensjahr schriftlich auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht worden, vorzeitig bei voller Pension oder ab Besoldungsstufe A16 mit Abschlägen bis 5% in den Ruhestand zu gehen. Mehr als 5 000 hätten Interesse bekundet. 318 Anträge seien bereits positiv entschieden, 508 aus dienstlichen Gründen abgelehnt worden. Insgesamt will Scharping bis zu 3 000 über 50-jährige Soldaten vorzeitig in den Ruhestand schicken, um Spielraum für Beförderungen zu gewinnen.

Als Beispiel für die gesteigerte Attraktivität als Folge der Reformmaßnahmen führte Scharping auch an, dass 1 760 Hauptleute, in der Regel Kompaniechefs, rückwirkend zum 1. Januar von A11 nach A12 hochgestuft werden können. Das mache ein Einkommens-Plus von monatlich rund 150 Euro brutto aus.

Im März hatte die Bundeswehr zur Nachwuchswerbung eine Informationstour durch 24 Städte Deutschlands gestartet. Im Mittelpunkt stehen dabei die neu und attraktiver gestalteten Laufbahnen der Unteroffiziere. Informiert wird auf einer mobile Bühne unter anderem über die Tätigkeiten der Soldaten, über Besoldung und Aufstiegschancen und über die Möglichkeit, vorhandene berufliche Qualifikationen in der Armee in Zusammenarbeit mit Unternehmen der Privatwirtschaft zu verbessern. Bereits in den ersten acht Städten konnte der Info-Wagen nach Angaben des Ministeriums 12 200 interessierte Schülerinnen und Schüler begrüßen, aus deren Kreis 5 008 Anträge auf individuelle Beratung gestellt wurden.

Planmäßig voran kommt nach Angaben Scharpings der Abbau des zivilen Personals der Bundeswehr, das nach der deutschen Vereinigung einen Rekordstand von 233 600 erreicht hatte. Derzeit stünden noch 133 600 Zivilisten im Dienst der Bundeswehr. Der Abbau solle sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen auf 80 000 bis 90 000 fortgesetzt werden. Allein im vergangenen Jahr habe die Bundeswehr durch die Reduzierung des Zivilpersonals umgerechnet mehr als 300 Mill. Euro gespart und zusätzlich in moderne Ausrüstung investieren können.

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