Scharping will Soldaten am Donnerstag besuchen
Robertson: Einsatz könnte länger dauern

Nato-Generalsekretär George Robertson hat am Donnerstag nicht ausgeschlossen, dass der Nato-Einsatz in Mazedonien länger als die geplanten 30 Tage dauern könne.

Reuters BERLIN/SKOPJE. "Wenn die Mission, die Waffen einzusammeln und zu zerstören, einige Tage länger dauert, dann soll es eben so sein", schrieb Robertson in einem Beitrag für die "Financial Times Deutschland". Er bekräftigte jedoch, dass es "schlicht keine langfristige Aufgabe für das Bündnis in diesem Konflikt" gebe. Der britische Außenminister Jack Straw sagte unterdessen, eine veränderte Lage in Mazedonien könne auch ein verändertes Mandat für die Nato zur Folge haben. Nach der Ankunft der ersten deutschen Soldaten will Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping am Donnerstag die deutsche Truppe in Mazedonien besuchen.

Es gebe keinen General, der mit einer Stoppuhr am Flughafen stehe, schrieb Robertson in dem Beitrag, den die Tageszeitung in der Nacht in ihrer Online-Ausgabe veröffentlichte. Nato und mazedonische Regierung hätten ein zeitlich und operational klar definiertes Ziel des Einsatzes gewollt. "Das bedeutet nicht, dass die Unterstützung der Nato für den Friedensprozess damit aufhört." Das Engagement werde jedoch politisch sein. Robertson hatte die Nato-Truppen am Mittwoch in Mazedonien besucht und sich über den Stand der Waffenabgabe durch die albanischen Rebellen informieren lassen. Die Allianz zeigte sich zufrieden mit der in den ersten vier Tagen erreichten Zahl von rund 1000 abgegebenen Waffen. Die rund 4500 Nato-Soldaten sollen nach den Planungen der Allianz von den albanischen Rebellen rund 3300 Waffen entgegennehmen.

Ratifizierungsprozess beginnt

Die Rebellen hatten im Februar einen Aufstand gegen die Regierung begonnen und dies als Kampf für die Rechte der albanischen Minderheit bezeichnet. Die mazedonische Regierung hatte unter Vermittlung der Europäischen Union (EU) und der USA in diesem Monat mit den albanischen Parteien ein Friedensabkommen unterzeichnet, das die Rechte der Albaner stärken soll. Die Rebellen hatten sich daraufhin zur Abgabe ihrer Waffen an die Nato bereit erklärt. Parallel zu der Entwaffnung der Rebellen soll das mazedonische Parlament das Friedensabkommen ratifizieren. Der Ratifzierungsprozess beginnt am Freitag.

Straw sagte am Mittwochabend im britischen Fernsehsender BBC: "Wenn sich das Risiko für die Truppen bedenklich erhöht, sie unter Feuer kommen, dann werden die Nato und ihre Kommandeure eine sehr schnelle und prompte Entscheidung zu ihrer Situation treffen müssen." Großbritannien stellt den größten Anteil der Nato-Truppen in Mazedonien. Straw wird am Donnerstag in der Hauptstadt Skopje erwartet.

Scharping will neben Skopje auch in Tetovo die deutschen Soldaten besuchen. Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums wird Scharping dabei vom Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, begleitet. Am Mittwoch hatte der Bundestag der lange umstrittenen Beteiligung von bis zu 500 deutschen Soldaten an dem Einsatz zugestimmt. Unmittelbar danach waren die ersten deutschen Soldaten mit zwei Transportmaschinen in das Balkan-Land gestartet. Ein Teil der Bundeswehrsoldaten soll aus der südserbischen Provinz Kosovo, wo die KFOR den Frieden sichert, nach Mazedonien verlegt werden. Scharping sagte am Mittwochabend in der ARD, die deutschen Soldaten würden wahrscheinlich bereits innerhalb von 48 Stunden zum Einsatz kommen.

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