Schatten der einstigen Größe
Andersen auch in den USA vor der Auflösung

Die Anzeichen verdichten sich, dass die Arthur Andersen LLP zukünftig nur noch ein Schatten ihrer einstigen Größe sein wird. Zwar wollte ein Sprecher des ehemals zu den "Big Five" gehörenden US-Beratungsunternehmens sich nicht über die Entwicklung der vergangenen Tage äußern, das Wall Street Journal berichtet allerdings von intensiven Gespräche mit den Wettbewerbern KPMG sowie Deloitte & Touche.

vwd NEW YORK. Beide Gesellschaften seien dem Vernehmen nach an der Übernahme von gut ausgebildetem Personal und bestimmten Partnern von Arthur Andersen LLP stark interessiert. Ob allerdings von einem "geordneten Rückzug" gesprochen werden könne, daran zweifeln Marktbeobachter.

Es sehe eher danach aus, als ob Arthur Andersen Worldwide - die in Genf ansässige Dachgesellschaft des Beratungsunternehmens, die für sämtliche Niederlassungen weltweit zuständig ist - sich in einem "chaotischen" Auflösungsprozess befinde, hieß es. Denn die einzelnen in unterschiedlichen Ländern ansässigen Gesellschaften von Arthur Andersen scheinen ihr Geschick selbst in die Hand genommen zu haben: Sie führen eigenständig Verhandlungen mit denjenigen Übernahmeinteressenten, die ihnen die besten Konditionen bieten. Ob die am Donnerstag erfolgte Ernennung von Aldo Cardoso zum Interim-CEO der Organisation an diesem Prozess noch etwas ändern kann - daran bestehen Zweifel.

Die zentrale Frage ist dem WSJ zufolge, ob es Cardoso gelingen werden, die scheidenden Gesellschaften in unterschiedlichen Nationen an ihre Verpflichtungen zu "erinnern", die sie mit dem Beitritt zu Arthur Andersn Worldwide eingegangen waren. Wer das weltweite Netzwerk verlassen will, muss demzufolge an die Dachorganisation einen Obulus in Höhe des 1,5-fachen des Vorjahresumsatzes zahlen. Diese Summe liegt nach Einschätzung von Marktkennern über dem Branchendurchschnitt, denn bei den anderen "Big Five" müssten sich abspaltende Einheiten lediglich eine Strafzahlung in Höhe des Vorjahresumsatzes zahlen.

Sollte Cardoso sich mit seinen Forderungen nicht aus eigener Kraft durchsetzen, könn das US-Justizministerium ihm zur Seite stehen, spekulieren einige Branchenkenner. Denn dieses sei an einer möglichst guten finanziellen Ausstattung von Arthur Andersen interessiert, um mögliche Schadensersatzansprüche aus dem Fall Enron decken zu können, so die These.

Unter den gegebenen Umständen ist es nicht wahrscheinlich, dass andere Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die Interesse an der Übernahme von Teilen des in Bedrängnis geratenen ehemaligen Konkurrenten haben, bereit sind entsprechend hohe Summen zu zahlen, damit die entsprechende Arthur-Andersen-Gesellschaft sich "freikaufen" kann. Kein Wunder also, dass viele Beobachter auf Grund der divergierenden Interessen und der zahlreichen ungeklärten juristischen Problemstellungen voraussagen, dass die ehemaligen Partner von Arthur Andersen im "Dissens" scheiden werden.

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