Schau zu Religion und Fußball
Beten für den EM-Sieg im Wiener Dommuseum

Das Wiener Dommuseum zeigt zur Europameisterschaft eine Schau zu Religion und Fußball. Die Helden auf dem für die Fans heiligen Rasen sind dort als moderne Märtyrer zu sehen.

HB WIEN. „Fußballer wie Diego Maradona werden richtig vergöttert, nicht nur verehrt“, sagte Snejanka Bauer, die Kuratorin der am Mittwoch eröffneten Ausstellung. Die Anhänger von Schalke 04 schicken ein „Schalke Unser“ Gebet gen Himmel, während der österreichische Fußballmeister Rapid den Verein mit „Rapid ist meine Religion“ zum Glaubensbekenntnis erklärt.

Auf Gottes Hilfe vertraut auch Kaka, der Weltfußballer des Jahres 2007. Ein „I belong to Jesus“ T-Shirt, wie er es beim Spiel unter dem Trikot trägt, hängt in einer Vitrine des Museums der Erzdiözese Wien. Auf einem Foto ist der Brasilianer zum Gebet kniend auf dem Spielfeld zu sehen. „Er widmet den Sieg auch dem Herrn“, sagte der Museumsdirektor Bernhard Böhler über den Spieler des AC Milan. Mit der Schau will das Museum die EM-Pilger von der Fanmeile in den Kulturtempel locken. „Da gibt es auf beiden Seiten Berührungsängste, aber wir hoffen, dass wir sie zusammenführen können“, sagte Böhler.

Kuratorin Bauer vom Ikonen-Museum in Frankfurt fühlt sich bei der glühenden Verehrung der Fans an religiöse Inbrunst erinnert. „Die Fans lieben ihre Fußballer nicht einfach, sondern sie leiden mit ihnen und sie würden, wenn es nötig wäre, auch sehr große Opfer bringen“, sagte sie. In aller Ewigkeit bei ihrem Verein sind jene treuen Fußballanhänger, die ihre Asche über den Rasen verstreut haben wollen oder als letzte Ruhestätte für ihre Urne ein Stadion auswählen. „Da geht es um den Wunsch, für immer und ewig mit der Mannschaft verbunden zu sein“, sagte Bauer.

Verehrung für einen Fußballhelden ist nicht nur christlich geprägt. Das Museum zeigt wie David Beckham in Asien als Hindu-Gottheit angebetet oder am Fuße einer Buddha-Statue dargestellt wird. Zu Ehren Maradonas wurde sogar eine Kirche gegründet, deren Zeitrechnung mit 1960, dem Geburtsjahr des Argentiniers beginnt. „Diese Kirche feiert Weihnachten nicht am 24. Dezember, sondern am 30. Oktober, dem Geburtstag Maradonas“, sagte Bauer.

Für die EM hofft auch das Gastgeberland Österreich auf höheren Beistand. Anfang Mai holte sich eine Delegation des Österreichischen Fußballbunds vom Papst den Segen.

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