Schauspielkurse für Manager haben Hochkonjunktur
Spiel’s noch einmal, Chef

Im Geschäftsleben spielt jeder seine Rolle - mal mehr, mal weniger perfekt. Wie man Oscar-reif wird, verraten Theater-Seminare für Manager.Jeder Mensch spielt eine Rolle. Und in der kommt es auf Körpersprache und Stimmbeherrschung an. Beides lässt sich im Seminar "Schauspielern" trainieren.

HB DÜSSELDORF. Für den Oscar qualifiziert die Szene noch nicht: Hallo!" - "Hallo!". "Wartest Du schon lange?" - "Schon seit Ewigkeiten!". So leicht kann Schauspieltraining für Manager sein: Beim ersten Bühnenauftritt spielen die acht Teilnehmer des Seminars eine scheinbar idiotensichere Szene. Der Text macht keine Schwierigkeiten. Auch Betonung und Satzmelodie sitzen-bei den vier Paaren, die sich für ein Wochenende in einem Berliner Hotel eingefunden haben. schließlich hat jeder schon mal eine ähnliche Situation erlebt. Das Geschäftsleben ist manchmal wie ein großes Schauspiel - und um erfolgreich zu sein, muss fast jeder irgendwann eine Rolle spielen. Kein Wunder, dass Schauspielkurse für Manager Hochkonjunktur haben.

Im Gegensatz zum klassischen Rhetoriktraining legen diese Seminare den Akzent auf die non-verbale Seite der Kommunikation. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Wirkung eines Auftritts nur zu etwa zehn Prozent durch den Inhalt des Gesagten entsteht: Ob man einen überzeugenden Eindruck hinterlässt, das hängt zum großen Teil am Wie. Dieses "Wie" lässt sich trainieren. "Verbesserter Körperausdruck", "mehr Präsenz" oder eine "positive Gesamtwirkung" bei Gesprächen oder Vorträgen - wer möchte das nicht?

Beim Wochenendseminar des Weiterbildungsanbieters Management Circle schonführtführtbringt die nächste Schwierigkeitsstufe die Schauspielschüler zuin ungeahnte Probleme: Die eher unterwürfige Frage "Wartest Du schon lange?" soll jetzt nämlich ganz überlegen klingen, einen so genannten "Hochstatus" annehmen.

Die eigentlich eher zickige Antwort "Schon seit Ewigkeiten" dagegen muss den unterlegenen "Tiefstatus" bekommen. Erreichen sollen die Teilnehmer dies über ihre Körperhaltung, die Stimmlage und die Satzmelodie. Schweißausbrüche mittleren Ausmaßes bahnen sich schon bald ihren Weg.

"Ich kann nicht lügen", beschreibt Verona Niederberghaus (Name geändert) ihre Motivation, am Training teilzunehmen. Für die Projektmanagerin eines Telekommunikationsunternehmens sei diese Einstellung schon öfter ein Hindernis im Berufsleben gewesen. Vom Schauspieltraining erhofft sie sich nun Kniffe, gelegentlich in Gesprächen die harte Wahrheit geschickt zu umgehen.

Am Ende des ersten Seminartages in einem Berliner Hotel von "Schauspieltechniken für Manager" darf Verona mit den anderen Teilnehmern zur Belohnung in die Rolle des Schauspiellehrers schlüpfen und die Videoaufzeichnung des "Kanzler-Duells" Schröder gegen Stoiber analysieren. Darstellerisch kassiert Stoiber erheblich mehr Minuspunkte für sein hektisches Augenzwinkern, die fahrigen Gesten und die schrägen Blicke in unbestimmte Richtungen. "Viel zu viel Tiefstatus!" analysiert einer der Teilnehmer.

Der Bedarf an solchen Seminaren ist groß: "Das Schauspieltraining gehört eindeutig zu unseren Erfolgsseminaren im Bereich Soft Skills", sagt Barbara Rübsam vom Management Circle. "Die Auslastung der vergangenen 20 Seminare lag im Durchschnitt bei elf Personen, wobei die Teilnehmerzahl auf zwölf begrenzt ist."

Dennoch sind viele Unternehmen verunsichert, was sich genau hinter den Schauspielseminaren verbirgt. Manche Personalverantwortliche großer Firmen befürchten, dass ihr Fortbildungsbudget für einen spaßigen Theaterkurs missbraucht würde. Andere Unternehmen verlangten schon mal, dass auf der Seminarabrechnung der Titel von "Schauspiel-" zu "Kommunikationstraining" geändert wird.

Offener gehtdagegen Markus Michaelis, 32, mit dem Seminar um. Der Inhouse- Berater bei der Basler Versicherung ist beruflich mit Prozessanalysen und Optimierungen befasst. "Weil ich im Rahmen meiner Tätigkeit auch Workshops moderiere, war ich daran interessiert, mehr über den Menschen, seine Verhaltensweisen und Möglichkeiten der Darstellung zu erfahren."? Die Investition hat sich Michaelisnach seiner Meinung gelohnt: "Ich habe gelernt, Signale meiner Kollegen bewusster wahrzunehmen und darauf zu achten."

Die Körpersprache der anderen zu verstehen, ist jedoch nur eines der Ziele eines Schauspielseminars. Im Mittelpunkt der Seminare steht, die eigene Körpersprache kontrollieren zu lernen, in bestimmten Situationen improvisieren zu können und sich selbst bewusster wahrzunehmen.

Dazu gehört es auch, andere genau zu beobachten. Die Chance bietet sich allen, denn sie müssen nicht an jeder Übung teilnehmen: Für Susanne Alwart von der Agentur Heinze + Alwart ist Freiwilligkeit bei den Schauspielseminaren oberstes Prinzip: Nach dem Motto "Jeder darf - keiner muss" können die Teilnehmer entsprechend ihrer Tagesform zuschauend lernen oder sich aktiv engagieren.

Wer ein Seminar mitgemacht hat, schaut erfahrungsgemäß die nächsten Wochen bei jeder Geste des Gegenübers genau hin und hat es leichter zu sehen, was gespielt und was echt ist. "Im Grunde fängt die Arbeit erst nach dem Seminar an", ermahnt deshalb Kursleiterin Lydia Dappen die Teilnehmer.

Zum Schluss macht sie ihnen noch ein paar lautstarke Stimmübungen vor, die Artikulation und Stimme verbessern sollen. Diese Übung allerdings ist nichts für Großraumbüros: "Bitte machen Sie das nur im Bad, im Auto oder im Fahrstuhl."

Quelle: Handelsblatt

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