Archiv
Schavan fordert Deutschpflicht für Moschee-Prediger

Baden-Württembergs Kultusministerin Annette Schavan (CDU) hat eine Pflicht für Imame gefordert, in Moscheen in deutscher Sprache zu predigen.

dpa STUTTGART. Baden-Württembergs Kultusministerin Annette Schavan (CDU) hat eine Pflicht für Imame gefordert, in Moscheen in deutscher Sprache zu predigen.

"Wir dürfen nicht weiter zulassen, dass in Moscheen in Sprachen gepredigt wird, die außerhalb der islamischen Gemeinde nicht verstanden werden", sagte die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende in einem dpa-Gespräch. Vorbild sei ein entsprechendes Gesetz in der Schweiz. Vorstellbar sei eine entsprechende Bundesratsinitiative von Baden-Württemberg.

"In einer freiheitlichen Gesellschaft muss jeder bereit sein, sich in der Landessprache verständlich zu machen", sagte Schavan. Andernfalls werde der kulturellen Abgrenzung und der gegenseitigen Skepsis Vorschub geleistet. Geistliche Führer, die in Arabisch oder anderen Sprachen predigten, setzten sich dem Verdacht von Hetzreden gegen Andersgläubige aus. Das vorgeschlagene Gesetz könnte auch diejenigen Kräfte im Islam stärken, die sich um Integration bemühen. Schavan hält es für richtig, Hassprediger möglichst rasch aus Deutschland abzuschieben.

Integrationspolitik werde in Europa stark an Bedeutung gewinnen. "Das Attentat auf den (niederländischen) Islamkritiker Theo van Gogh und die Folgen zeigen, dass das eine anspruchsvolle Aufgabe ist", sagte die 49-Jährige, die sich um die Nachfolge von Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) bewirbt. Liberalität allein reiche nicht aus, um den Frieden in einer Gesellschaft zu garantieren. "Man muss vielmehr ganz aktiv etwas dafür tun, dass Toleranz wachsen kann, und auch ordnungspolitisch deutlich machen, dass alle sich an bestimmte Regeln halten müssen." Der Staat müsse Parallellgesellschaften verhindern und jungen Leuten Zukunftschancen bieten.

Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) hat angesichts der Ausschreitungen zwischen Christen und Muslimen in den Niederlanden von Ausländern in Deutschland verstärkte Integrationsbemühungen verlangt.

"Wir müssen den Dialog der Gutwilligen und die Integration von Ausländern fördern, aber auch massiver als bisher einfordern. In Deutschland lebende Ausländer müssen unsere Sprache lernen und unsere Leitkultur anerkennen", sagte Beckstein der "Bild am Sonntag". Auch in Deutschland könne es zu ähnlichen Konflikten kommen wie in den Niederlanden. Holland sei "der Illusion einer multikulturellen Gesellschaft erlegen".

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dieter Wiefelspütz, sagte dem Blatt: "Holland ist überall." Und weiter: "Das könnte auch bei uns passieren. Niemand sollte sich in Sicherheit wiegen." Wiefelspütz forderte die islamischen Gemeinden auf, sich klar von "Gewalttätern und religiösem Wahn" zu distanzieren. Seit der Ermordung des Film-Regisseurs und Islamkritikers Theo van Gogh am 2. November durch einen mutmaßlichen islamischen Extremisten sind in den Niederlanden Moscheen und Koranschulen sowie einige christliche Kirchen durch Brandanschläge schwer beschädigt worden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%