Scheel durchkreuzt Eichels Personalpläne
Gerangel um neuen Bundesbank-Vorstand

Kaum hat der Bundestag die Strukturreform der Bundesbank am Freitag verabschiedet, melden die Grünen Anspruch auf einen Führungsposten an. Damit bringen sie die Personalpläne von Bundesfinanzminister Hans Eichel durcheinander. Dem ein oder anderen Platzhirschen droht nun überraschend das Aus.

BERLIN. Das hatte sich Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) schön ausgedacht: Der mit 15 Personen überbesetzte Zentralbankrat sollte auf sechs Vorstände verkleinert werden. Die Frankfurter Führung hätte umfirmieren können, die neun Präsidenten der Landeszentralbanken (LZB) sollten zu weisungsgebunden Filialleitern degradiert werden.

Damit der Bundesrat seine Reform am 22. März nicht stoppt, musste Eichel das Vorschlagsrecht für die Hälfte der Vorstände an die Länder abtreten. Jetzt fordern auch noch die Grünen einen Führungsposten. Obwohl Eichel die Zahl der Vorstände schon von sechs auf acht angehoben hat, wird es nun für einige Bundesbank-Größen eng. Auf der Kippe stehen Vizepräsident Jürgen Stark und Direktoriumsmitglied Hans Georg Fabritius.

Präsident Ernst Welteke ist als deutscher Vertreter im Rat der Europäischen Zentralbank auch für den neuen Vorstand gesetzt. Gleich dahinter beginnt aber das Gerangel. Mitglieder des Zentralbankrats sprechen von "großem Schaden für Eichels gesamtes Reformprojekt, wenn er Stark nicht wiederbenennt". Der langjährige Staatssekretär des früheren Finanzministers Theo Waigel (CSU) gilt als das einzige Mitglied im heutigen Direktorium mit großer internationaler Anerkennung. Obwohl kein Parteimitglied gilt er als unionsnah.

An der Ernennung Starks könnte sich entscheiden, ob die Bundesbank-Spitze vor der Bundestagswahl im Herbst "von Rot-Grün als Selbstbedienungsladen zur Durchsetzung eigener Personalvorschläge missbraucht" wird, wie Carl-Ludwig Thiele (FDP) befürchtet, oder weit gehend frei von parteipolitischen Interessen bleibt.

Als "gesetzt" auf einen neuen Vorstandsposten wird im Zentralbankrat der umtriebige Bankenaufseher Edgar Meister gehandelt. Er ist dem Bundesfinanzminister aus Kasseler Schulzeiten verbunden. Wie das Handelsblatt aus dem Zentralbankrat erfuhr, möchte Welteke den erst im Juni 2000 in das Direktorium bestellten Hans Georg Fabritius als Fachmann für Zahlungsverkehr und Risikokontrolle mit in den neuen Vorstand übernehmen. Kaum Chancen für eine Neubestellung werden den Direktoriumsmitgliedern Dieter Haferkamp und Hermann Remsperger eingeräumt.

Von den Unionsländern werden nach Handelsblatt-Informationen die LZB-Präsidenten von Bayern und Hessen, Franz-Christoph Zeitler und Hans Reckers favorisiert.

In den SPD-geführten Ländern, aber auch im Zentralbankrat, werden als Vorstands-Kandidaten die LZB-Präsidenten aus Hannover und Hamburg, Hans-Helmut Kotz und Rolf Eggert genannt. Kotz hat sich als Ökonom und Kapitalmarktexperte der DGZ-Bank einen internationalen Ruf erworben. Als Informatik-Professor aus der früheren DDR könnte der erst im Mai letzten Jahres bestellte Robotron-Veteran Eggert für den Welteke-Favoriten Fabritius gefährlich werden.

Für die Vorsitzende des Finanzausschusses, Christine Scheel (Grüne), spricht aus der Sicht Eichels, dass sie sein Reformwerk zielstrebig durch den Bundestag gebracht hat.

Bundesfinanzminister Eichel hat nun die Qual der Wahl, und sein grüner Koalitionspartner wird dabei sicher gerne ein gewichtiges Wort mitreden.

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