Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum im Profil
Sein Unternehmen heißt Dubai

"Dichtung ist weder Geschichte, noch kann sie jemals Geschichte werden." Das sagt Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum zumindest über die Poesie aus eigener Feder. Er selbst aber hat sich längst ein Denkmal gesetzt. Dubai. Das Emirat am Persischen Golf ist bis ins Mark mit der Person des Kronprinzen und Verteidigungsministers der Vereinigten Arabischen Emirate verbunden.

DÜSSELDORF. "Ich weiß nicht, ob ich ein guter Staatsmann bin, doch ich bin zumindest einer, der 20 bis 30 Jahre vorausschaut." Der Mann hat Visionen. Muss er auch: In rund zehn Jahren gehen die Ölreserven des Emirats zur Neige. Dann muss Dubai ohne das schwarze Gold profitabel sein. So mutet das Emirat heute an wie eine Großinvestition in die eigene Zukunft und die der 13 Kinder des Scheichs.

Der charismatische Führer bewirbt sein Land gern als "das sicherste Reiseziel der Welt". Offiziell gibt er sich trotz des drohenden Irak-Kriegs denn auch eher gelassen: "Die Amerikaner werden versuchen, den Krieg so kurz wie möglich zu halten. Wichtiger als der Krieg selbst ist, was nach ihm kommt."

Und doch ahnt Scheich Mohammed wohl: Sollte Dubai in den Sog des Krieges gezogen werden, könnte der Traum von der Boomtown des 21. Jahrhunderts platzen. Mit dem Vorschlag, Saddam Hussein solle unter Führung der Arabischen Liga ins Exil gehen, hat er in seiner Funktion als Verteidigungsminister der Vereinigten Arabischen Emirate bereits versucht, diese Gefahr zu bannen, bisher vergebens.

Ein Krieg würde Scheich Mohammed, der fast immer die schneeweiße Dishdasha, das knöchellange Gewand, und das traditionelle beduinische Kopftuch trägt, hart treffen: Er hält alle Fäden im Emirat fest in der Hand. Dubai ist sein Unternehmen, das der frühere Ruderer mit einer beeindruckenden Schlagzahl vorantreibt. Wenn er sich in den Kopf setzt, das höchste Gebäude der Welt müsse in Dubai stehen, erteilt er eben der mehrheitlich in Staatshand befindlichen Emaar Property Group den Auftrag, es zu bauen.

Zweifel an der Umsetzung? Das höchste Hotel der Welt steht schon in Dubai. Der Scheich setzt darauf, dass Prestigeobjekte gut fürs Geschäft sind, auch wenn sie keine Gewinne abwerfen. So ließ er das Burj el Arab, das einzige 7-Sterne-Hotel der Welt, bauen. Das Wahrzeichen der Stadt lockt viele kaufkräftige Touristen an. Der Mann mit dem gepflegten schwarzen Vollbart, der unverkennbar gekrümmten Nase und den durchdringenden Augen ist ein Marketingprofi. Er gilt als dynamischer, energischer Führer, der Faulheit nicht duldet. In seinem Umfeld arbeiten heute viele Europäer, deren Know-how er schätzt. Brutkasten seiner Ideen ist ein Strategiekomitee, zu dem die cleversten Köpfe des Emirats gehören.

Dort nimmt das Unternehmen Dubai Gestalt an: Hier entstand 1985 der Plan, die Freihandelszone Jebel Ali zu gründen, in der heute 2 358 Firmen arbeiten. Hier wurde die Idee für die inzwischen erfolgreiche Fluggesellschaft Emirates Airline ebenso geboren wie die Idee eines jährlichen Shopping-Festivals, bei dem Touristen einen Monat lang fast alles zum halben Preis einkaufen können. Und das nächste Projekt steht bereits fest: Bis 2008 soll in Dubai ein internationales Finanzzentrum entstehen.

"Politik bedeutet, Chancen zu bieten", sagt er - und lebt er. "Anders als in Deutschland folgt in Dubai die Wirtschaft der Politik", staunt Joachim Friedrich, Chef der deutschen Auslandshandelskammer in Dubai, und fügt scherzhaft hinzu: "Das Planfeststellungsverfahren in Dubai ist Scheich Mohammed." In nur 365 Tagen ließ er vor rund drei Jahren Dubai Internet City aus dem Boden stampfen. Zeitgleich verordnete der heute 53-Jährige der Regierung eine Art E-Kur. Jeder Behördengang ist seitdem ein simples Login ins Netz.

"Der Ort ist unerheblich. Der Mensch zählt", gibt seine Hoheit im Chatroom seiner Homepage gern zum Besten. So einfach scheint es aber doch nicht zu sein. Als vor 36 Jahren noch Beduinen mit Kamelen durch die Wüste Dubais zogen, war die Familie des Kronprinzen verschuldet. Heute ist Scheich Mohammed einer der reichsten Männer der Welt. Öl sei Dank - der Ort ist eben doch nicht unerheblich.

Vita

Er wird 1949 als drittältester Sohn von Scheich Rashid in Shindagha geboren. Auf der Mons Officer Kadettenschule in Aldershot/England lernt er das militärische Einmaleins. 1971 wird er mit nur 22 Jahren der jüngste Verteidigungsminister der Welt. Truppen der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sendet er 1991 nach Kuwait und 1999 in den Kosovo. Zuletzt sorgt er mit dem Vorschlag für Aufsehen, Saddam Hussein solle unter Führung der Arabischen Liga ins Exil gehen. Kraft seines Amtes ist er auch für das Ölgeschäft verantwortlich. Seit 1995 ist er Kronprinz von Dubai.

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