Scheidender Vivendi-Boss wird Prinzipien untreu
Messier feilscht über goldenen Handschlag

Der scheidende Vorstandschef von Vivendi Universal S.A. will sich den Rauswurf durch seinen Arbeitgeber vergolden lassen.

abo PARIS. Wie in Unternehmenskreisen zu erfahren war, verhandelt Jean-Marie Messier gegenwärtig über eine Abfindung, die Übernahme von Kreditschulden in Millionenhöhe und die Zusage, juristisch nicht belangt zu werden.

Pikant ist daran vor allem, dass Messier in seinem Buch "J6M" vor zwei Jahren Verachtung für Unternehmenslenker geäußert hat, die sich ihren Rücktritt fürstlich bezahlen lassen. "Ich habe in meinem Vertrag keinen goldenen Fallschirm", hat er oft geäußert. Die hohe Bezahlung von Managern sei auch die Vergütung des Risikos, jederzeit auf die Straße gesetzt zu werden.

Möglichweise hat Messier seine Meinung allerdings nicht freiwillig geändert. Denn Messier hielt nach Angaben aus Bankenkreisen noch Ende letzten Jahres fast 600 000 Vivendi-Universal-Aktien, die er zum Durchschnittskurs von 50 Euro zusätzlich zu seinen Optionen erworben haben soll. Nach dem Kurssturz der vergangenen Tage kostete die Vivendi-Aktie gestern gerade noch 15,7 Euro.

Messier hatte des öfteren Engagements auf eigene Rechnung in Aktien seines Konzerns eingeräumt. "Ich habe Vertrauen in die Wertentwicklung des Unternehmens, und das zeige ich damit", sagte er einmal. Der Clou dabei: Für den Kauf dieser Aktien soll Messier rund 25 Mill. Euro persönliche Bankkredite aufgenommen haben. Diese sind durch den Wert der Aktien nicht mehr gedeckt, sollten die Banken dem künftig arbeitslosen Manager die Darlehen fällig stellen.

Messier soll nun das Vergütungskommitee des Aufsichtsrates aufgefordert haben, dafür zu sorgen, dass der Konzern für diese Schulden gerade steht. Jedoch hat Messier dabei ein Problem: Er hat nach dem Ausscheiden von LVMH-Chef Bernard Arnault aus dem Aufsichtsrat im Kommitee nur noch einen einzigen Ansprechpartner, Edgar Bronfman Jr. Das ist ausgerechnet der US-Großaktionär, der in der vorigen Woche Messiers Kopf gefordert hatte.

Außerdem will Messier eine Abfindung in Höhe von 12,5 Mill. Euro herausschlagen. Das entspricht etwa zwei Jahresgehältern. Er erwartet auch, dass er bis Jahresende in dem vom Konzern für 50 Mill. Dollar erworbenen Luxusappartement in Manhattan wohnen darf, zu dessen Renovierungskosten er mit fast 1 Mill. Dollar rund die Hälfte beigesteuert hat. Messier besitzt außerdem privat ein Anwesen in der Nähe des Pariser Nobelvororts Rambouillet, dessen Wert auf mehrere Millionen Euro geschätzt wird.

Von Vivendi sind keine Informationen darüber zu bekommen, was mit Messiers Aktienoptionen geschieht. Unter Umständen könnten diese an die Firma zurückfallen.

Quelle: Handelsblatt

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