Scheitern des Joint-Ventures mit Rabobank zeigt Spätfolgen – Ertragsdelle in der AG
DG Bank kommt nicht zur Ruhe

Der Aufsichtsrat der DG Bank hat auf seiner Sitzung beschlossen, die beiden Vorstandsmitglieder Heiko Bruns und Johann Rudolf Flesch von ihren Funktionen freizustellen. Damit reagierte das Gremium auf die angespannte Ergebnisentwicklung des genossenschaftliches Spitzeninstituts.

FRANKFURT/M. Die Turbulenzen rund um die DG Bank Deutsche Genossenschaftsbank AG reissen nicht ab. Schon das Scheitern der JointVenture-Gespräch mit der niederländischen Rabobank hat die Bank erschüttert. Nun kommen noch erhebliche Einbrüche des Ergebnisses der AG und personelle Veränderungen im Vorstand hinzu.

Der Aufsichtsrat des genossenschaftlichen Spitzeninstituts hat auf seiner gestrigen, turnusmäßigen Sitzung die beiden Vorstandsmitglieder Heiko Bruns und Johann Rudolf Flesch ihrer Ämter enthoben. Auf eigenen Wunsch und im gegenseitigen Einvernehmen scheiden beide zum 31. Dezember dieses Jahres aus dem Vorstand aus, hieß es in einer Erklärung des Instituts.

Bruns war für das mittelständische Firmenkundengeschäft und die Region Nord verantwortlich, Flesch für das Ressort Organisation, Informatik, Finanzen und Unternehmenssteuerung. Bernd Thiemann, Vorstandsvorsitzender der DG Bank und treibende Kraft hinter den Plänen eines Joint-Ventures mit der Rabobank, sitzt dem Vernehmen nach derzeit noch fest im Sattel.

Ergebnis fast ein Drittel unter der Vorjahresperiode

Mit den Personalentscheidungen reagiere der Aufsichtsrat auf die angespannte Ergebnisentwicklung, hieß es in der Mitteilung zur Begründung. Während der DG Bank Konzern per 30. September dieses Jahres nach International Accounting Standards (IAS) ein Betriebsergebnis auf Vorjahresniveau auswies, reduzierte sich das Betriebsergebnis in der AG nach Risikovorsorge um knapp 30 % auf rund 219 Mill. DM gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode.

Neben dem Scheitern von DG-Rabo International spiele wohl auch die große Unzufriedenheit der Aktionäre, darunter die beiden regionalen genossenschaftlichen Zentralbanken GZ-Bank und WGZ-Bank mit zusammen 30,3 %, mit den Ressorts von Bruns und Flesch eine große Rolle bei der aufgeworfenen Personalfrage. Vor allem eine sich abzeichnende Ertragsdelle könnte die Verantwortlichen zum Handeln veranlassen, heißt es aus der DG Bank.

Das Betriebsergebnis der AG sei per 30. September im Vergleich mit dem Vorjahr um rund 30 % niedriger ausgefallen. Das genossenschaftliche Spitzeninstitut veröffentlicht traditionell keine Neun-Monats-Zahlen. Bei diesem Rückgang seien zu erwartende höhere Rückstellungen aus dem von Bruns verantworteten Kreditbereich noch nicht berücksichtigt, hieß es.

Diese ergeben sich dem Vernehmen nach auch durch strengere Maßstäbe bei der Bewertung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Wedit. Diese war der Bank im Juni als zweiter Prüfer neben der PwC Deutsche Revision "in den Pelz gesetzt" worden, war aus dem Institut zu hören.

Fachwissen als Stolperstein

Flesch wird von Insidern zwar ein hohes Fachwissen bescheinigt, allerdings sei er auch sehr theorielastig. Das von ihm entwickelte Steuerungssystem offenbare in der Praxis deutliche Schwächen. Schon bei der Vorstellung des Halbjahresergebnisses seien die Aufsichtsräte von Fleschs Berichtswesen nicht überzeugt gewesen. Es habe seinerzeit viele Nachfragen gegeben, heißt es. Daneben hätten auch Schwierigkeiten bei der Erstellung von Businessplänen für das geplante Joint-Venture DG-Rabo die Position Fleschs geschwächt.

Wie aus DG Bank-Kreisen zu hören war, habe aber auch das Scheitern der Joint-Venture-Gespräche mit der Rabobank zu der Personalentscheidung beigetragen. Der gesamte Vorstand sei bei dem Scheitern von DG-Rabo International nicht gut weggekommen, der Aufsichtsrat habe nach außen wie nach innen Handlungsfähigkeit demonstrieren müssen, hieß es. Ein Ziel der "Kabinettsumbildung" sei es auch gewesen, ein neues Bild der Bank verkaufen zu können.

In der Bank herrsche eine sehr große Unruhe, berichten Insider. Dies hänge vor allem damit zusammen, dass im Zuge des geplanten Zusammengehens mit der Rabobank im internationalen Geschäft schon die personellen Weichen gestellt worden waren.

Weltreise war zur Beruhigung nötig

Es gelte nun, eine überzeugende Stand-Alone-Lösung zu präsentieren und frustrierte Mitarbeiter, die in der "Altbank" verbleiben sollten, neu zu motivieren. Und da tue sich das Institut bislang sehr schwer. Direkt nach dem Platzen der Joint-Venture-Pläne waren die beiden Vorstandsmitglieder Friedbert Malt und Uwe E. Flach um die halbe Welt gereist, um die Mitarbeiter in den Auslandsniederlassungen zu beruhigen.

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