Scheitert die Sanierung des zweitgrößten Reiseanbieters Europas, steht Konkurrent First Choice bereit
My-Travel droht die Übernahme

Der Reiseanbieter My-Travel gilt als Übernahmekandidat. Doch der Konzern will im Alleingang in die Gewinnzone zurückkehren. Auch die deutsche Tochter FTI Touristik steht auf dem Prüfstand.

LONDON. Der in die Krise geratene britische Reisekonzern My-Travel will bis März alle seine Marken und Geschäftsbereiche auf den Prüfstand stellen und sich von einzelnen Firmenteilen trennen. Auch eine Fusion mit dem Konkurrenten First Choice schließt der neue Konzernchef Peter McHugh nicht aus.

Ein Zusammenschluss mit dem britischen Rivalen war vor drei Jahren an den EU-Wettbewerbshütern gescheitert. Inzwischen dürfte die Reise-Ehe aber auf Grund veränderter Regelungen genehmigt werden. Die Entscheidung, was künftig noch zum Kerngeschäft des Anbieters von Pauschalreisen gehört, soll laut McHugh im Frühjahr vorgestellt werden. Wie er dem Handelsblatt sagte, sieht der My-Travel-Chef sein Unternehmen nach der rettenden Einigung mit den Banken vor zwei Wochen momentan nicht als Übernahmekandidaten. Doch für die Zukunft schließt er die in London immer wieder diskutierte Fusion nicht aus: "Das ist etwas, was zu berücksichtigen sein wird." Für First Choice haben Banker angeblich schon einen Übernahmeplan entworfen. "Diese Fusion ist einfach ein Muss", wird ein Berater zitiert, "es ist nur noch die Frage, wann."

First Choice sagte gestern bei der Bilanzvorlage in London, man erwarte eine weitere Konsolidierung im britischen Reisemarkt. Weitere Anbieter sind noch die zur TUI gehörende Thomson Travel sowie Thomas Cook. Die gesamte Reisebranche steckt seit Ende 2001 in der Krise. So gab First Choice gestern den stärksten Gewinneinbruch seit Anfang der neunziger Jahre bekannt. Marktbeobachter erwarten, dass der Konzern erst im neuen Jahr und nach einem möglichen Irak-Krieg eine Fusion plant.

Bis dahin will My-Travel-Chef McHugh das Unternehmen wieder auf Gewinnkurs bringen. Der Reisekonzern hieß bis Februar noch Airtours und war nach drei Gewinnwarnungen sowie gravierenden Buchungsfehlern erstmals nach 31 Jahren mit einem Vorsteuerverlust von 72,8 Mill. £ in den roten Zahlen gelandet. Zur Sanierung will sich der zweitgrößte europäische Reisekonzern kräftig verschlanken.

"Es ist möglich, dass wir Teile von My-Travel verkaufen", bestätigte McHugh, der vor einem Monat als Krisenmanager an die Spitze rückte. My-Travel habe bereits mehrere Anfragen, sei momentan aber - bis auf eine Ausnahme - nicht in aktiven Verkaufsverhandlungen. Bei der Ausnahme handelt es sich wohl um den Bustourenanbieter Leger Holidays, den My-Travel noch in diesem Monat verkaufen will. Zur neuen Konzernstruktur solle weiter die deutsche Tochter FTI Touristik gehören, sagte McHugh. Dies hänge aber vom Ergebnis der internen Überprüfung ab, die vor allem die Kostendisziplin unter die Lupe nimmt. "Wir gehen davon aus, dass FTI im Jahr 2004 profitabel ist", so seine Vorgabe an die FTI-Zentrale in München.

Die Botschaft des neuen Führungsteams von My-Travel (neben McHugh noch Finanzchefin Kazia Kantor und Chief Operating Officer Philip Jansen) ist klar: Zum Überleben kann sich der britische Konzern keine weiteren Verluste leisten. Unter dem vorherigen Chef Tim Byrne war der Aktienkurs so tief gestürzt, das Analysten den Konzern, der rund 13 Mill. Reisen im Jahr verkauft und 25 000 Beschäftigte hat, als Übernahmekandidat handeln.

My-Travel wird sein Reiseangebot in Großbritannien, das bereits im laufenden Wintergeschäft um 10 % gekürzt wurde, weiter abspecken. Für den Sommer sollen die Kataloge noch mal um 3 % ausgedünnt werden. Die Aussichten seien für die Zukunft von My-Travel sehr gut, sagt McHugh: "Wir haben noch immer das Vertrauen der Kunden." Das zeigten die guten Zahlen der Frühbucher. Diese liegen für den Sommer um 40 % über dem Vorjahr - allerdings von einer niedrigen 2001er-Basis aus.

Die Umbenennung des Konzerns in My-Travel ist nach den Worten von McHugh weitgehend abgeschlossen. Dennoch hat er den Abschluss der rund 10 Mill. £ teuren Idee erst einmal gestoppt. "Nicht alles wird My-Travel", so der neue Chef zum neuen Marketingkurs.

Entlassungen plant My-Travel nach eigenen Angaben derzeit nicht. Ob die gerade erst gestartete Billig-Airline des Konzerns, MyTravelLite, das nächste Frühjahr überlebt, ist jedoch fraglich. McHugh: "Wir bestätigen lediglich, dass wir vor haben, die Flotte von zwei auf vier Flugzeuge aufzustocken."

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