Schenker verantwortet Olympia-„Bump-Out“
Umzug mit der Stoppuhr

Ein gutes Jahr dauerten die bis ins Detail geplanten Vorbereitungen für die Spiele, doch das logistische Meisterstück steht noch bevor – der „Bump Out“. Wenn am 24. August in Peking das Olympische Feuer erlischt, beginnt für den „offiziellen Lieferanten für Spedition und Zollabfertigung“ ein Hochleistungsmehrkampf, für den es keine Medaillen gibt – der Abbau jener olympischen Infrastruktur, die für die Spiele aus aller Welt nach China geschafft worden war.

PEKING Wenn die letzten Athleten gegangen sind, muss das Olympische Dorf innerhalb von zwei Tagen fix und fertig leer geräumt sein. Zum Wettlauf mit der Zeit wird auch die Auflösung des internationalen Medienzentrums: Spätestens eine Woche nach der Schlussfeier soll jede Kamera, jede Kabeltrommel, jeder Computer, jeder Stuhl und jedes Regiepult sicher verpackt auf der Reise zum nächsten großen Event sein. Und jeder Kanut will sein Boot schnell wieder in der Heimat haben, jeder Stabhochspringer seinen Stab, jeder Dressurreiter seinen Sattel.

Dieser Bump Out ist ein Job für hoch spezialisierte Logistiker: „Official Supplier“ des IOC ist die zum Konzern der Deutschen Bahn gehörende Spedition Schenker. Sie hat den prominenten Logistikauftrag nicht erst seit Olympia in China: „Wir haben jahrzehntelange Erfahrung in diesem sehr speziellen Marktsegment, angefangen bei den Olympischen Spielen von München 1972“, sagte Schenker-Vorstandschef Thomas Lieb. Und nicht nur im Vierjahres-Rhythmus der Sommerspiele. Derzeit planen die Spezialisten der Abteilung „Globalsportsevents“ 40 größere und kleinere Veranstaltungen in mehr als 30 Ländern, darunter 2010 die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika und die Olympischen Winterspiele in Kanada.

Flagge zeigen im Wachstumsmarkt China ist für die Logistiker längst selbstverständlich geworden – auch ohne die Spiele. Sie sind seit vier Jahrzehnten im Land und bauen nach und nach immer dichtere Netze auf. Doch Olympia war – und ist – eine besondere Herausforderung. Startete das Schenker-Team 2007 mit einer Hand voll Spezialisten, wuchs deren Zahl schließlich auf rund 700 Logistiker und Event-Spezialisten an. 2 500 Tonnen Luftfracht und 1 500 Seecontainer reisten in den Wochen und Monaten vor den Spielen nach China, voll gepackt beispielsweise mit Kleidung, Sportgerät, Medikamenten oder Nahrungsmitteln. Oder Champagner fürs „Deutsche Haus“, das das nationale Olympische Komitee im Lufthansa-Beijing-Center im Hotel Kempinski eingerichtet hat. Die Fracht landete zunächst im „Olympic Warehouse“, einer 14 000 Quadratmeter großen Lagerhalle, die Schenker in der Nähe des Pekinger Flughafens schon im vorigen Jahr gemietet hatte.

Das, was da angekommen war, musste dann die Mühlen der chinesischen Zollbürokratie durchlaufen. Die forderte die Übersetzung sämtlicher Dokumente – und nicht immer war es damit getan. Speziell bei Pharmazeutika für die Athleten gab es Probleme, weil Importlizenzen gefordert wurden. Batterien durften nicht in den Häfen ausgeladen werden, weil die Behörden sie als Gefahrgut deklarierten. Besonders heikel: Die Munition für Sportschützen, die nur in Begleitung von Sicherheitsdiensten transportiert werden durfte.

Manchmal wurde aber auch ganz harmloses Transportgut zum Problem. „Erklären Sie mal den chinesischen Zollbehörden, warum es sich bei der Einfuhr von 10 000 Liter Bier für die Athleten um olympische Fracht handelt“, sagte Lieb. Zumindest damit wird es beim Bump Out wohl keine Probleme mehr geben.

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