Scherbenhaufen hinterlassen
Porträt: Klaus Lederer, der Buhmann

"Ich hatte die Wahl und habe mich für den Spaß entschieden." Mit diesen Worten verabschiedete sich Babcock- Chef Klaus Lederer im März aus Oberhausen Richtung Kiel.

dpa OBERHAUSEN. Hinterhergeweint haben dem 54-Jährigen nur wenige. "Lederer hat die Interessen des Konzerns verkauft, um seine eigene Haut zu retten", war noch einer der harmlosen Kommentare aus dem Mund von Oberbürgermeister Burkhard Drescher.

Anders als die meisten Oberhausener will US-Großaktionär Guy Wyser-Pratte den Stuttgarter Honorarprofessor liebend gern wiedersehen, allerdings vor Gericht. Betrug, Selbstbedienung, Täuschung lauten die Vorwürfe in der Klageschrift an das New Yorker Distriktgericht.

Lederer hatte erst im Januar beim Abendessen im New Yorker Nobelhotel "Four Seasons" sein Vorhaben gepriesen, die Anteile an der profitablen Kieler Werft HDW auf 100 Prozent aufzustocken - und Wyser-Pratte biss zu. Die Amerikaner häufte Babcock-Aktien an und kam auf einen Anteil von 8,2 Prozent - nicht ahnend, dass Lederer zwei Monate später sein HDW-Vorhaben ins Gegenteil verkehren würde. Der Chef verkaufte die Mehrheit und blieb für den "Spaß"-Erhalt auf der Kommandobrücke der U-Boot-Werft.

Immerhin hatte Lederer bei HDW das geschafft, was ihm beim Mutterkonzern misslang: den Aufbau eines profitablen Unternehmens. Schon zwei Jahre vor dem Ausstieg in Oberhausen hatte Lederer den bisherigen HDW-Vorstand an die Luft gesetzt und selbst das Ruder an der Kieler Förde übernommen.

Angefangen hatte das Babcock-Abenteuer 1997, als der Chef des Großaktionärs WestLB, Friedel Neuber, Lederer als Sanierer zu dem gerade erst knapp einer Pleite entgangenen "Gemischtwarenladen" Babcock Borsig holte. Davor war Lederer Generalmanager für das weltweite Bremsengeschäft der New Yorker ITT Corporation. Fünf Jahre später hinterlässt er bei Babcock einen Scherbenhaufen.

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