Schering erhält überdurchschnittlichen Anteil am Verkaufserlös für Aventis Crop Science
Bayer und Aventis über Agro-Sparte einig

Der Bayer-Konzern ist sich mit Aventis und Schering über den Erwerb von Aventis Crop Science weitgehend einig. Vor dem endgültigen Vertragsabschluss müssen noch die Betriebsräte informiert werden.

agr/va/shf DÜSSELDORF. Die Übernahme der Aventis Crop Science Gruppe durch den Bayer-Konzern ist nahezu perfekt. Nach Informationen aus dem Kreis der beteiligten Unternehmen haben Aventis und Bayer inzwischen Einigung über die Kernpunkte des Verkaufs erzielt. Demnach wird Bayer die Aventis-Sparte für etwa 5,5 Mrd. Euro erwerben und gleichzeitig etwa 2 Mrd. Euro Schulden übernehmen. Prozessrisiken, die aus der Starlink-Affäre in den USA resultieren, braucht Bayer dabei nicht zu fürchten. Sie sollen bei Aventis verbleiben. Der Straßburger Konzern sieht sich in den USA Schadensersatzklagen gegenüber, nachdem die nur als Futtermittel zugelassene genveränderte Maissorte Starlink in Lebensmitteln nachgewiesen wurde.

Dass die Unternehmen bereits eine vorläufige Vereinbarung unterzeichnet hätten, wird von den Unternehmen offiziell nicht bestätigt. Nur so viel: Die Gespräche gingen voran und ein Vertragsabschluss stehe kurz bevor, sagte ein Bayer-Sprecher.

Wie weit die Verhandlungen indes sind, zeigt sich daran, dass Aventis inzwischen damit begonnen hat, Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaften über die Grundzüge der Transaktion zu informieren. Der 34-köpfige Euro-Betriebsrat von Aventis wird sich am heutigen Dienstag mit dem Thema befassen. Dem Aufsichtsrat des Pharmakonzerns soll das Geschäft am Mittwoch vorgelegt werden, der Bayer-AR dürfte auf seiner nächsten Sitzung am 13. September darüber beraten.

Aventis konzentriert sich auf das Pharmageschäft

Aventis, der Zusammenschluss der deutschen Hoechst und der französischen Rhone-Poulenc, kann mit dem Verkauf der Agrosparte die Konzentration auf das Pharmageschäft weitgehend abschließen und zugleich die Verbindlichkeiten um rund 6 Mrd. Euro verringern. Die Berliner Schering AG, die mit 24 % an Aventis Crop Science beteiligt ist, erhält voraussichtlich mehr als 1,3 Mrd. Euro. Damit erzielt der Pharmahersteller einen etwas höheren Anteil am Kaufpreis als es seinem Kapital-Anteil entspricht, heißt es aus Unternehmenskreisen. Der höhere Anteil lässt sich vor allem mit den erweiterten Gesellschafter-Rechten von Schering bei ACS rechtfertigen. Denn Aventis kann die Agro-Sparte ohne Zustimmung von Schering nicht vor 2004 verkaufen.

An der Börse legte die Bayer-Aktie gestern um mehr als 3 % zu. Die Märkte honorierten den bevorstehenden Deal damit offenbar als gute Nachricht für den Konzern, der durch die Affäre um das Cholesterin-Medikament Lipobay in den vergangenen Wochen schwer getroffen worden war. Der Kurs von Schering stieg um knapp ein Prozent, während Aventis leicht nachgab.

Mit der Übernahme im Pflanzenschutzmittelgeschäft schließt Bayer zum Weltmarktführer Syngenta auf. Mit einem Umsatz von zuletzt rund 4 Mrd. Euro ist Aventis Crop Science knapp doppelt so groß wie das Pflanzenschutzmittelgeschäft von Bayer (2,5 Mrd. Euro). Das kombinierte Unternehmen wird im Pflanzenschutz auf Basis der 2000er Zahlen rund 6,5 Mrd. Euro Umsatz und einen Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 0,85 Mrd. Euro erwirtschaften.

Wie Bayer-Finanzvorstand Werner Wenning kürzlich bereits vor Analysten erläuterte, wollen die Leverkusener die Gesamtkosten durch den Zusammenschluss um jährlich etwa 500 Mill. Euro senken (Handelsblatt vom 13.8.). Die dazu nötigen Umbaukosten bezifferte Wenning auf 500 Mill. Euro.

Kartellrechtliche Probleme nicht ausgeschlossen

Bis zum Jahr 2005 will Bayer will mit dem zusammengeschlossenen Pflanzenschutzgeschäft eine Rendite vor Zinsen und Steuern (Ebit-Marge) von 20 % bei einem Umsatz von über 8 Mrd. Euro erzielen. Analysten halten dies für ein ehrgeiziges Ziel. Im vergangenen Jahr erzielte Bayer im Pflanzenschutzgeschäft bei einem Umsatz von 2,5 Mrd. Euro eine Rendite von 16 %.

Wird der Zusammenschluss wie geplant vollzogen, avanciert Bayer zum weltweit führenden Hersteller von Insektiziden und zur Nummer Zwei bei Pilzbekämpfungsmitteln.

Vor allem im Insektizidgeschäft, wo der Leverkusener Konzern bisher bereits eine starke Stellung hält, werden die größten kartellrechtlichen Probleme erwartet. Als Hauptinteressent für Aktivitäten, die der Konzern in diesem Bereich womöglich abgeben muss, gilt die BASF, die ebenfalls an Aventis Crop Science interessiert war.

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