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Schering erwartet ein gesundes neues Jahr

vwd DÜSSELDORF. Der Pharmakonzern Schering AG absolviert mit seinen Produkten derzeit eine Art Staffellauf. Das bislang umsatzstärkste Medikament Betaferon gleicht einem älteren Athleten, von dem man nicht weiß, wie lange er sein Tempo noch halten kann. Das Verhütungsmittel Yasmin legt dagegen kontinuierlich zu, und ein Krebsmittel, das noch nicht am Markt gestartet ist, könnte sich einmal als neuer Sprinter erweisen. Im nächsten Jahr kommt es auf eine reibungslose Übergabe des Staffelholzes an, damit Schering dann 2006 die selbstgesetzte Rendite-Hürde von 18 Prozent nehmen kann. Der Kapitalmarkt sieht das Berliner Unternehmen dabei auf einem guten Weg.

Analysten rechnen angesichts der Bemühungen des Dax-Konzerns, sich auf seine Stärken zu konzentrieren, für 2005 insgesamt mit einem deutlichen Plus bei Umsatz und Ertrag. So erwartet Thomas Brenning von Helaba Trust einen Umsatzanstieg auf 5,1 (Vj geschätzt: 4,9) Mrd Euro und ein operatives Ergebnis von 831 (Vj geschätzt 736) Mio Euro. Für Ungewissheit sorgt Brenning zufolge aber der starke Euro, denn ein großer Teil des Wachstums kommt aus der Dollar-Region. Zudem brauche das Effizienz- und Sparprogramm "Focus" trotz erster Erfolge bei der Senkung der Kosten noch viel Zeit.

Wichtig sind im kommenden Jahr vor allem Fortschritte im Geschäftsbereich Gynäkologie und Andrologie sowie bei der Krebsforschung. Auf diese beiden Therapiefelder will sich Schering konzentrieren. Das Unternehmen rechnet hier bis 2010 mit einem jährlichen Wachstum im zweistelligen Prozentbereich. Die Dermatologie dagegen wird ausgegliedert, Schering sucht dafür einen Partner. Der Sektor Gynäkologie und Andrologie, der derzeit 36 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht, wird bis zum Ende des Jahrzehnts wohl der Hauptwachstumstreiber sein.

Zwei Produkte stehen hier vor der Markteinführung in den USA. Zum einen soll dort im zweiten Halbjahr eine niedrig dosierte Variante des Verhütungsmittels Yasmin angeboten werden. Ursprünglich wollte Schering das Mittel schon 2004 in den Vereinigten Staaten verkaufen. Für die gesamte Produktfamilie um Yasmin rechnet der Konzern mit einem weltweiten Spitzenumsatz von einer Mrd US-Dollar. Zudem soll das gegen Osteoporose und Wechseljahresbeschwerden verwendete Hormonersatzpräperat Angeliq in den USA auf den Markt kommen. In Euroopa ist das Mittel schon zugelassen, bis Mitte 2005 soll es auf den wichtigsten Europäischen Märkten sein.

Krebshemmer als möglicher Blockbuster

Die Onkologiessparte im Bereich Spezialtherapeutika ist verglichen mit der Gynäkologie zwar klein. Sie trug in den ersten neun Monaten 2004 nur knapp ein Zehntel zu den Erlösen bei. Hier gibt es aber mit dem Krebsmittel PTK-ZK einen möglichen Blockbuster in der Forschungspipeline. Er soll das Wachstum von Blutgefäßen bei Tumoren unterbinden. Schering erwartet hier im zweiten Quartal Daten aus einer Phase-III-Studie. Dieses Medikament, das die Berliner zusammen mit der Schweizer Novartis entwickeln, ist einer größten Hoffnungsträger des Konzerns und soll 2006 auf den Markt kommen.

Zudem will Schering die Arznei Bonefos gegen Knochenmetastasen bei Brustkrebspatientinnen in den USA einsetzen. Mit der Zulassung durch die FDA wird schon Anfang des Jahres gerechnet. Schering will das Mittel dann im Februar auf den Markt bringen. Die Erwartungen schwanken stark, möglicherweise wird es mit mehreren hundert Mio US-Dollar im Jahr ein sehr umsatzstarkes Produkt. Unter den Medikamenten, die bereits auf dem Markt sind, steht vor allem das Multiple-Sklerose-Medikament Betaferon im Blickpunkt. Es ist noch das umsatzstärkste Mittel des Konzerns, bekommt jedoch Konkurrenz durch ein Präparat der Unternehmen Biogen und Elan.

Helaba-Analyst Brenning erwartet, dass das Wachstum von Betaferon durch die neue Konkurrenz zum Erliegen kommt. Auch andere Analysten rechnen mit hohen Aufwendungen für das Marketing. Ingesamt schwanken die Beobachter für die Schering-Aktie zwischen Vorsicht nach dem starken Kursanstieg in diesem Jahr und Optimismus wegen der gut gefüllten Forschungspipeline. Brenning rät zum Verkauf der Aktie und hält einen niedrigeren Kurs von unter 50 Euro für gerechtfertigt. Derzeit steht die Notierung bei rund 54 Euro. Diesen Wert sieht die HypoVereinsbank als angemessen an, deren Anlagevotum "Neutral" lautet. Sal. Oppenheim hingegen rät zum Kauf und sieht den fairen Wert bei 59 Euro.

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