Schering investiert in Krebsmedikament
Pharmafirmen gehen auf Einkaufstour

Die etablierten Pharmahersteller sind zum Wachstum verurteilt. Dank gut gefüllter Kassen haben sie auch das nötige Geld, ihre Produktpalette zu erweitern. Die Nachfrage nach marktreifen Neuentwicklungen der Biotechunternehmen bleibt damit hoch, obwohl die Branche jüngst einige Enttäuschungen erlebte.

shf FRANKFURT/M. Während der Biotech-Sektor an den Börsen ins Abseits gerät, nutzen Pharmahersteller ihre Finanzkraft zum Ausbau ihrer Produktportfolios. Diesen Trend hat am Freitag die Schering AG einmal mehr unterstrichen. Für 380 Mill. $ erwarb der Berliner Pharmahersteller das Krebsmedikament Leukine und die zugehörigen Forschungs- und Produktionsaktivitäten vom amerikanischen Biotechunternehmen Immunex.

Nur wenige Tage zuvor hatte sich der deutsch-französische Konzern Aventis für 480 Mill. $ in einer Allianz mit der US-Firma Genta die Rechte an dem potenziellen Krebsmittel Genasense gesichert. Das Interesse an Produkten aus der Biotechbranche scheint damit nicht abzureißen, obwohl die Branche jüngst eine ganze Serie von Enttäuschungen verbuchte.

Kein akuter Druck

Schering selbst steht zwar nicht unter akutem Druck zu akquirieren. Etliche große Pharmakonzerne sind jedoch stark auf neue Produkte angewiesen, weil wichtige Patente auslaufen und die eigene Forschung unproduktiv ist. "Der Druck, Wachstum zu generieren, ist nach wie vor enorm groß", beschreibt Schering-Finanzvorstand Klaus Pohle das Konkurrenzumfeld. Um Leukine haben sich nach seinen Angaben zehn Firmen beworben. Schering habe schließlich den Zuschlag bekommen, weil die Berliner als erste ein konkretes Kaufangebot vorgelegt haben.

Pohle glaubt nun, einen "Diamanten" erworben zu haben. Leukine ist ein Medikament, das die Bildung weißer Blutkörperchen anregt. Es ergänzt damit das Onkologie-Programm Scherings, das in den vergangenen beiden Jahren unter anderem durch Allianzen mit den US-Firmen Idec und Ilex erweitert wurde.

Behandlung von Darmkrankheit

Analysten betrachten den Kaufpreis als attraktiv angesichts der Tatsache, dass Leukine im vergangenen Jahr 108 Mill. $ Umsatz erzielte. Zusätzliches Potenzial könnte der Wirkstoff in der Behandlung der Darmkrankheit Morbus Crohn bieten. Entsprechende klinische Tests befinden sich allerdings erst in Phase II. Den auf dieses Einsatzgebiet entfallenden Kaufpreisanteil von etwa 200 Mill. $ will Schering daher direkt als Sonderaufwand abschreiben.

Der Verkauf des Produkts resultierte aus einer Auflage der US-Wettbewerbsbehörde FTC im Zusammenhang mit der geplanten Fusion von Immunex mit dem Branchenführer Amgen. Denn Amgen vertreibt mit Neupogen ein ähnlich wirkendes Medikament wie Leukine und ist auf diesem Gebiet bereits mit Abstand Marktführer.

Die kartellrechtlich veranlasste Transaktion unterscheidet sich von den üblichen Pharma/Biotech-Deals. Meist geht es bei diesen Geschäften um Lizenzrechte und Entwicklungspartnerschaften, mit denen Biotechfirmen die hohen Kosten der klinischen Entwicklung finanzieren. Pharmafirmen verfügen auf der anderen Seite nach wie vor über erheblichen finanziellen Spielraum, um sich Wachstum zu kaufen. Die "Top 20" der Branche erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen frei verfügbaren Cash-flow von mehr als 40 Mrd. $. Zusätzliche Mittel generierten sie mit dem Verkauf von Randaktivitäten. Schering und Aventis zum Beispiel bessern ihre Kassen durch den Verkauf von Aventis CropScience an Bayer auf, der bis Ende Mai perfekt sein soll. Dieses Geld fließt nun in den Ausbau des Kerngeschäfts. Schering wird mit dem Verkauf ihres 25-prozentigen Anteils an Crop-Science rund 1,5 Mrd. Euro einnehmen.

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