Schering-Übernahme würde die akuten Probleme nicht lösen
Roche AG hat Probleme mit der Produkt-Pipeline

Der Schweizer Pharmakonzern hat kurzfristig ein Problem: Die Medikamentenpipeline ist unzureichend gefüllt. Die Kursentwicklung macht dieses Manko deutlich.

ef ZÜRICH. Die Aktionäre und Genussscheininhaber (GS) der Roche Holding AG gehörten über weite Strecken der neunziger Jahre zu den Privilegierten: Zwischen 1995 und 2000 verdoppelte sich der Kurs der liquiden GS des Basler Pharmakonzerns. Im Frühjahr des vergangenen Jahres geriet der bisher rund laufende Kursmotor bereits ins Stocken.

Die Bilanz 2000 fällt für die Roche-Eigentümer jedenfalls ernüchternd aus und dies, obwohl sich die defensiven Schweizer Qualitätsaktien recht gut entwickelten. Der Kurs der Roche-GS gab im vergangenen Jahr um knapp 10 % auf 16 510 sfr nach.

Hier der 3-Monatsverlauf

Auch zu Beginn des neuen Jahres ist bisher keine Besserung in Sicht. Im Gegenteil: Die GS gaben bis Freitag weiteres Kursterrain preis. Zwar hat sich auch das durchschnittliche Kursniveau der europäischen Pharmaaktien um 8 % und das der US-Konkurrenz gar um 12 % verringert, doch dies ist kein Trost, zumal nach Auffassung vieler Analysten die hausgemachten Probleme bei Roche auf absehbare Zeit fort bestehen.



Kaum neue Medikamente

Kritisiert wird vor allem, dass die Medikamentenpipeline auf Sicht von zwei bis drei Jahren wenig verheißungsvoll ist. Das einzige neue Medikament, dass ab 2001 zum Wachstum beitragen dürfte, ist Pegasys. Die Roche-Verantwortlichen erwarten, dass das neue Hepatitis-C-Medikament einen Umsatzbeitrag von rund 1 Mrd. sfr einspielen könnte.

Ab 2003/4 dürfte sich die Frequenz der Neueinführungen dann deutlich beschleunigen. Dazu werden auch eine Reihe von Kooperationsabkommen mit Biotech-Unternehmen beitragen. Durch die Mehrheit an Genentech besitzt der Basler Konzern zudem das Recht, das eigene Medikamentenportfolio mit Präparaten aus den Forschungslabors dieses führenden US-Biotechunternehmens zu verstärken.

Der kurzfristig mangelnde Nachschub an neuen Medikamenten ist der Grund dafür, dass Roche immer wieder Übernahmegelüste nachgesagt werden. Akquisitionen schließt Konzernchef Franz B. Humer zwar keineswegs aus, doch müssen sie zu Roche passen und den Konzern voran bringen. Dabei spielt die Lösung des kurzfristigen Pipeline-Problems eine wichtige Rolle. Zudem gilt es am Finanzplatz Schweiz als wahrscheinlich, dass Roche einer Übernahme in den USA den Vorzug geben würde. Die Verstärkung im wichtigsten Pharmamarkt der Welt steht bei fast allen europäischen Pharmakonzernen ganz oben auf der Prioritätenliste.

Als eher unwahrscheinlich gilt in Zürich, dass Roche an der Leverkusener Bayer AG oder der Berliner Schering AG interessiert ist, wie zuletzt spekuliert wurde. Schering bringt zu wenig Masse mit und löst daher die akuten Probleme nicht. Zudem liegt das Produktprogramm der Berliner weitgehend außerhalb der Kerngeschäfte der Basler. Für Akquisitionen ist Roche grundsätzlich gut gerüstet. Der Pharmakonzern verfügte Ende 2000 über eine Nettoliquidität von geschätzt rund 5 Mrd. sfr. Unter Berücksichtigung der Fähigkeit bedeutende Fremdmittel aufzunehmen, könnte die Schweizer auch eine größere Übernahme verdauen.

Zudem gilt es als wahrscheinlich, dass sich Roche zur weiteren Auffüllung der "Kriegskasse" auch vom Vitamingeschäft trennen könnte. Sollte sich die Chance einer Großakquisition ergeben, die Roche strategisch voran bringen würde, dürfte auch die für Übernahmen ungeeignete Kapitalstruktur nicht mehr unantastbar sein. Bisher kontrolliert die Gründerfamilie mit knapp 10 % des Kapitals gut 50 % der Stimmen.



Roche wird nur auf "Halten" eingestuft

Claudio Werder, Pharmaanalyst der Bank Vontobel AG, hält Roche für ein sehr solides und substanzstarkes Unternehmen. Die kurzfristig unterentwickelte Pharmapipeline lasse in den nächsten zwei bis drei Jahren nur ein unterdurchschnittliches Wachstum erwarten. Trotz des historisch niedrigen Kurs-/Gewinn-Verhältnisses (KGV) von 21 (Basis 2002) lautet Werders Urteil daher nur "Halten". Roche habe aber in der Vergangenheit bewiesen, schnell und konsequent zugreifen zu können. Besonders gelungen sei die Übernahme von Boehringer Mannheim, wodurch Roche bei den Diagnostika zum Weltmarktführer aufgerückt ist.

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