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Schicksal von entführtem US-Reporter weiter unklar

Elf Tage nach seinem Verschwinden ist das Schicksal des in Pakistan verschleppten US-Reporters Daniel Pearl weiterhin ungewiss. Seine schwangere Frau appellierte am Samstag in einem leidenschaftlichen Aufruf an die Entführer, ihren Mann frei zu lassen.

afp KARACHI. "Mein Mann ist mein Leben. Ich bin im sechsten Monat schwanger, und er ist der Vater meines ungeborenen Kindes", schrieb Marianne Pearl in einem in der südpakistanischen Hafenstadt Karachi veröffentlichten offenen Brief. Die pakistanische Polizei setzte ihre Ermittlungen fort und verhörte mehrere Verdächtige. Zwei angebliche E-Mails der Entführer entpuppten sich als Fälschungen.

Die Frau des vermissten Reporters forderte die Kidnapper auf, ihren Mann "als Mensch und nicht als Amerikaner" zu betrachten. Er sei "ein Journalist und nicht irgendein Spion". Während seines 18-monatigen Einsatzes in der Region habe sich der Reporter des "Wall Street Journal" stets für den Dialog zwischen den Kulturen eingesetzt und "das Leiden der Menschen hier" kennen gelernt, schrieb die französische Journalistin weiter. Die Entführer sollten sich nun auf die Ethik des Islam besinnen und "den ersten Schritt zur Beendigung des Leidens" unternehmen. Die Entführer hatten in zwei Schreiben mit der Ermordung ihrer Geisel gedroht.

In Karachi, wo Pearl am 23. Januar zuletzt gesehen worden war, befragte die Polizei zehn Menschen. Zwei weitere wurden in der Hauptstadt Islamabad verhört. Eine E-Mail vom Freitag, in der es hieß, die Leiche des Korrespondenten sei auf einem Friedhof in Karachi zu finden, entpuppte sich als übler Scherz. Aufgrund des Schreibens waren alle Friedhöfe der Stadt durchsucht worden. Ein 16-Jähriger habe sich zudem bekannt, eine zweite E-Mail verfasst zu haben, in der es geheißen hatte, der Reporter sei möglicherweise noch am Leben. Die Polizei sah nach eigenen Angaben nur noch E-Mails als glaubwürdig an, die Fotos des Entführten zeigten. Der stellvertretende Innenminister der Provinz Sindh, Mukhtar Sheikh, schloss den Tod Pearls aus.

Die Menschenrechtsorganisation amnesty international fordert Pearls Freilassung. Die Entführer der militanten Gruppe "Nationale Bewegung für die Wiederherstellung der Souveränität Pakistans" verlangen eine Verbesserung der Haftbedingungen für die auf dem US-Stützpunkt Guantánamo auf Kuba inhaftierten Taliban- und El-Kaida-Kämpfer sowie die Überstellung aller von den USA in Afghanistan gefangen genommenen Pakistaner. Das US-Außenministerium schloss Verhandlungen über die Gefangenen aus und bekräftigte seine Forderung nach einer bedingungslosen und sofortigen Freilassung Pearls.

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