Schießen Olympia
Wieder Pleite für deutsche Sportschützen

Tino Mohaupt und Michael Winter haben als 15. sowie 35. den Endkampf mit dem Luftgewehr verpasst. Auch Susanne Kiermayer blieb im Trap hinter den Erwartungen zurück.

Als die erneute Pleite der deutschen Sportschützen perfekt war, kamen Europameisterin Susanne Kiermayer vor Schmerzen die Tränen. Nach dem achten Platz und der deutschen Enttäuschung im Luftgewehrwettbewerb steht das Team nach sechs von 15 Entscheidungen in Peking weiter ohne Medaille und Finalplatz da. "Eine Medaille tut not, damit der Knoten sich löst", meinte Sportdirektor Heiner Gabelmann.

Timo Mohaupt übte nach seinem 15. Rang Kritik am Deutschen Schützenbund (DSB). "Wir sind die besten Amateure der Welt. Alle, die vor uns liegen, sind Profis. Olympische Medaillen sind halt nur über Profitum möglich", meinte der bitter enttäuschte 24-Jährige.

Als Sportmanagement-Student hatte sich Mohaupt nur mit einem Drittel des sonst in der Weltspitze üblichen Trainingsumfangs und viel eigenem Geld auf seinen ersten Olympia-Auftritt vorbereiten können.

Bindra schreibt für Indien Olympia-Geschichte

So gesehen war es ein sehr achtbares Ergebnis, dass er mit 593 Ringen das Finale nur um zwei Ringe verfehlte. Dort holte der für Hubertus Elsen in der Bundesliga aktive Inder Abhinav Bindra Gold (700,5 Ringe) - immerhin ein Erfolg mit einem kleinen deutschen Anteil. Für Indien war es nach bisher acht Hockey-Triumphen das erste Gold überhaupt in einer olympischen Einzeldisziplin.

An was es den Deutschen selbst mangelt, zeigt das Beispiel Mohaupt. Er berichtete, dass er in einer kleinen Krise nach seinen Juniorenerfolgen vom DSB aus dem Kader geworfen wurde und nicht mehr im Bundesleistungsstützpunkt Wiesbaden trainieren durfte.

Mit Nebenjobs in einem Elektronikmarkt und als Zeitungsausträger verdiente er sich Geld, um sein Hobby Schießen weiter zu betreiben. Es reichte nach der Rückkehr in die Förderung für Olympia, genau wie für den auf Platz 36 gelandeten Angestellten Michael Winter aber nicht für mehr. "Immerhin die Hälfte unseres Teams sind schon Profis, das ist ganz klar die Zukunft", meinte Heiner Gabelmann.

Makela-Nummela holt Gold für Finnland

Die olympische Gegenwart macht dem DSB-Sportdirektor aber noch viel mehr Sorgen, die Stimmung im Team wird nach den Misserfolgen nicht besser: "Jetzt brauchen wir endlich einen Coup. Bei den Luftgewehr-Männern wussten wir, dass wir nichts reißen, aber die Europameisterin Kiermayer sollte zumindest das Finale erreichen."

Dass dieser Plan nicht aufging, hing mit den Schulterschmerzen der mit Spritzen und Tabletten fitgemachten Bayerin zusammen. "Das ist nur noch rohes Fleisch und Schmerz", meinte Kiermayer unter Tränen, nachdem sie mit 65 Scheiben das Finale um zwei Treffer verpasst hatte: "Unter den Bedingungen ist ein achter Platz nicht schlecht."

Während sich Satu Makela-Nummela mit 91 Scheiben zu Finnlands erster Schützen-Olympiasiegerin krönte, erklärte Kiermayer ihre olympische Karriere nach vier Sommerspielen für beendet. "Ich bin schließlich 40. Vielleicht ist die WM 2010 in München ein Ziel", sagte die Atlanta-Olympiazweite.

Die eingeplanten drei deutschen Medaillen sollen in Peking nun am Donnerstag Sonja Pfeilschifter (Dreistellungskampf) und Christine Brinker (Skeet) und am Samstag der dreimalige Olympiasieger Ralf Schumann (Schnellfeuerpistole) holen - alle drei sind übrigens Profis.

© SID

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