„Schildkröte“ Williams-BMW plötzlich schnell
Weiß-blaues Wunder

Williams-BMW hat ein weiß-blaues Wunder geschafft: Binnen weniger Wochen wandelte sich die britisch- bayerische Allianz vom bereits belächelten Hinterherfahrer zum Tempomacher.

HB/dpa MAGNY-COURS. Freund und Feind stufen das Formel-1-Team sowie seine Piloten Ralf Schumacher und Juan Pablo Montoya nach den jüngsten brillanten Grand-Prix-Rennen als aussichtsreiche WM-Kandidaten in der Konstrukteurs- und Fahrer-Wertung ein. "Es sieht so aus, dass wir das Maß der Dinge sind", meinte Frankreich-Sieger Schumacher nach dem zweiten Williams-BMW-Doppelerfolg in sieben Tagen.

Noch vor eineinhalb Monaten hatten sogar BMW-Mechaniker bei Testfahrten den neuen, nicht überzeugenden FW 25 als "Schildkröte" verspottet. In ihrem Bus hing ein Foto des langsamen Kriechtiers - mit einem hämischen Kommentar versehen. In der jetzt am Nürburgring vorzeitig um fünf Jahre bis 2009 verlängerten Partnerschaft hatte es zuvor wegen der Misserfolge monatelang gekriselt. Vor allem der zum Jahresende aus dem Amt scheidende BMW-Motorsportdirektor Gerhard Berger hatte immer wieder Druck auf die schwächelnden Engländer ausgeübt.

Jetzt schweben die Weiß-Blauen im siebten Himmel: Läuft es weiter so perfekt wie seit dem großen Preis von Monaco, der mit Montoyas Sieg und Schumachers Pole-Position den Durchbruch brachte, könnte eine völlig verkorkst begonnene Saison noch mit WM-Triumphen enden. "Diese Resultate sind nicht mehr zu toppen: Wir haben in den letzten vier Rennen 65 von 72 möglichen Punkten geholt", schwärmte BMW - Motorsportdirektor Mario Theissen: "Magny-Cours war unser bislang stärkstes Wochenende in dreieinhalb Jahren Partnerschaft. Wir müssen eher auf die Euphoriebremse treten."

Theissen rechnet "mit einem spannenden Dreikampf" und hofft, "dass wir am Ende die Nase vorn haben". Die Konstrukteurs-WM - derzeit führt Ferrari mit 103:100:85 Punkten vor Williams-BMW und McLaren - Mercedes - sei in Reichweite: "Bei der Fahrer-WM ist Michael Schumacher noch Favorit." Die Konkurrenz kommt zu ähnlichen Bewertungen. "Seit vier Rennen ist Williams-BMW das Team der Stunde", anerkannte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug die neue Führungsrolle der Weiß-Blauen. Für Ferrari-Rennleiter Jean Todt hat sich "das Kräfteverhältnis zu Gunsten des Pakets Williams, BMW und Michelin verschoben".

Abgesehen davon, dass Williams im Lauf der Zeit zahlreiche Kinderkrankheiten des FW 25 geheilt hat, spielt der Michelin-Reifen eine zentrale Rolle bei der Aufholjagd. Das sieht auch der Münchner Motoren-Mann so: "Einschließlich Reifen sind wir das beste Gesamtpaket, ohne ist Ferrari noch besser."

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