Schildkrötenähnliches Gedränge
Rüpeln nach Regeln

Unaufgeregt, aber deutlich dirigiert die junge Frau eine Mädchengruppe über den Übungsplatz, der schon fast in Abenddunkel getaucht ist. Restlicht kommt vom Flutlicht der benachbarten Sportanlagen. Auf gleicher Höhe läuft eine Reihe von fünf 12- bis 13-jährigen Schülerinnen, die sich abwechselnd den ovalen Ball zuwerfen.

Die Trainerin korrigiert, lobt und tadelt. Augenscheinlich geht es hier im Training um eines der größten Probleme, das Anfänger mit dem Rugby haben: Der Ball (das Ei, die Quetsche) darf während des Spiels immer nur zurückgespielt oder quer gepasst werden - eine Regel, mit der Rugbyanfängerinnen anfangs besser zurechtkommen, sagt Volker Himmer, "als kleine Jungs, die es vom Straßenfußball her gewohnt sind, den Ball um jeden Preis nach vorn zu treiben". Der das sagt, Volker Himmer, ist Sportdirektor im Deutschen Rugby-Verband und war lange Jahre Nationalspieler.

Drei Übungsplätze weiter, unter Flutlicht, trainiert an diesem Abend die männliche Bundesligamannschaft des Berliner Rugbyklubs 03 für das letzte Heimspiel dieses Jahres. Man will zwei Tage später den Zweitligisten München RFC zu einem Match empfangen, in dem es ums Weiterkommen im Pokal des Deutschen Rugbyverbandes (DRV) geht. In novembriger Abendkühle unter den gleißenden Strahlen aus 14 Flutlichtlampen gibt Teamchef Christian Lill (22) seine Orders aus: "Ich will jetzt Stefan als Flügelstürmer, Alexander als Hooker, Markus geht ...", der Rest seiner Kommandos verdampft in der Abendkälte und ist sowieso kauderwelscher Rugbyjargon.

Die 22, 23 Trainingsteilnehmer teilen sich jetzt auf in eine Abwehrformation, die sich für den Rest des Abends mit sich selbst beschäftigt. Und in einen Angriff, der unter Anleitung des Coachs drillartig die Rugbyklassiker Gedränge (scrum) und Gasse (line out) einübt.

Im schildkrötenähnlichen Gedränge versuchen je acht Spieler der angreifenden und verteidigenden Mannschaft sich ineinander zu verhaken und einander so wegzudrücken, dass der Ball im 32-füßigen Gedränge erhakelt und in die eigenen Reihen getreten werden kann.

Beim Gasseneinwurf vom Seitenaus landet der Ball bei dem Ballfänger, den zwei seiner Mitspieler so geschickt möglichst hochgereckt haben, dass er in 2,50 bis 3 Metern Höhe in Ballbesitz kommt.

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