Schill-Partei ist Wundertüte
Die Mannschaft hinter "Richter Gnadenlos"

Seine Partei heißt wie er, er starrte wochenlang von Plakaten in ganz Hamburg, am Wahlabend war er der Star. Fast jeder in der Hansestadt kennt Ronald "Richter Gnadenlos" Schill, der mit seiner neugegründeten Partei bei der Landtagswahl am Sonntag aus dem Stand 19,4 % der Stimmen erzielte.

ap HAMBURG. Aber mit ihm ziehen 24 weitere Mitglieder der Partei Rechtsstaatliche Offensive, wie Schills Gruppierung offiziell heißt, in die Bürgerschaft ein. Die wenigsten wissen, um was für Leute es sich dabei handelt.

Die Schill-Partei warb nicht mit einer schlagkräftigen Mannschaft, sondern mit einer einzigen Person. Spätestens jetzt, nach der Wahl, sind aber auch die Leute hinter Schill gefragt. Und darunter sind viele, die mit politischer Arbeit bislang wenig bis gar keine Erfahrungen gesammelt haben. Ilona Kasdepke beispielsweise, eine 40-jährige Kauffrau, die sich zwar "immer schon für Politik interessiert» hat, aber bisher keine Partei gefunden hatte, «die mir aus dem Herzen sprach".

Ronald Schill, über den sie zum ersten Mal in der "Neuen Revue" gelesen habe, habe ihr dagegen gleich gefallen, erklärt Kasdepke. "Ich habe ihn angerufen und gesagt: 'Falls Sie eine Partei gründen, bin ich dabei.'" Warum sie sich dazu entschlossen habe? "Weil unser Rechtssystem nicht mehr stimmt", erklärt sie vage. Und weil die großen Parteien, vor allem die SPD, zu borniert seien und nicht mehr wüssten, was Bürgernähe heißt. "Wichtig ist, dass wir alle zusammenhalten; schließlich hatten wir alle ein Ziel - einen Innensenator Schill."

"Die innere Sicherheit ist nicht mein Thema", erklärt dagegen der Rechtsanwalt Norbert Frühauf, der auf dem dritten Listenplatz in die Bürgerschaft einziehen wird. Politisch ist der 43-Jährige kein völlig unbeschriebenes Blatt, bis vor einem Jahr war er noch Mitglied der CDU, Bezirksabgeordneter, zählte sich selbst immer zum linken Flügel. Aber mittlerweile gehe ihm das überkommene Rechts-Links-Schema auf die Nerven. "Dieser Kasperkram interessiert doch keinen mehr", meint er, "es kommt schließlich auf die Sache an".

Und seine Sache, die Förderung des Mittelstands, glaubt er am besten in der Schill-Partei durchsetzen zu können. Er habe festgestellt, dass gar nicht so viele Spinner dabei seien, wie er erst gedacht habe - und Rechtsextreme gebe es in der Partei schon gar nicht, ist Frühauf überzeugt.

Der Rentner Manfred Silberbach ist wohl das, was man einen gestandenen Sozialdemokraten nennt: 40 Jahre sei er Mitglied in der SPD gewesen, sogar Bürgerschaftsabgeordneter bis 1993, und "wenn die SPD heute noch so wäre, wie sie zu Zeiten Helmut Schmidts war, wäre ich vielleicht immer noch drin". Doch die zunehmende Zahl von Alt-68ern in der Partei habe ihn vergrault.

"Ideologisch noch nicht verrannt"

Zwischendurch sei er bei der STATT-Partei «politisch geparkt» gewesen, denn "da konnte man ja von kommunistisch bis rechts alles sein". Jetzt also die Schill-Partei. "Hier gibt es frische Leute, die sich ideologisch noch nicht verrannt haben", glaubt Silberbach. Sein persönliches Anliegen seien die sozialen Brennpunkte, die von der SPD völlig im Stich gelassen worden seien.

Die Anhänger von "Richter Gnadenlos" sind eine bunte Mischung aus Anwälten, Lehrern, Kaufleuten, Rentnern, Beamten und Selbstständigen; manche haben Erfahrungen mit politischer Arbeit, für die meisten wird die Arbeit in der Bürgerschaft, und erst recht die im Senat, absolutes Neuland sein. Die Partei scheint eine Wundertüte zu sein für alle möglichen Bedürfnisse, Ziele, Projekte.

Mario Mettbach ist der zweite Mann der Partei. Der Hauptmann der Bundeswehr war 13 Jahre lang bei der CDU, dann fünf Jahre bei der STATT-Partei. Im Jahr 2000 wechselte er in die Gefolgschaft Schills. Dass so viele künftige Bürgerschaftsabgeordnete noch keine Erfahrung haben, hält er eher für positiv. "Das bringt frischen Wind in die politische Landschaft, Fachleute haben wir genug - es ist ganz gut, dass bei uns nicht so viele etablierte Politiker dabei sind."

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