Schily stellt Statistik vor
Computerkriminalität nimmt drastisch zu

Schwere Gewaltverbrechen wie Mord und Totschlag sind in Deutschland weniger geworden, doch die Computerkriminalität hat im vergangenen Jahr drastisch zugenommen. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2001 hervor, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

wiwo/ap BERLIN. Schwere Gewaltverbrechen wie Mord und Totschlag sind in Deutschland weniger geworden, doch die Computerkriminalität hat im vergangenen Jahr drastisch zugenommen. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2001 hervor, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Trotz eines leichten Anstiegs der Delikte insgesamt zog Bundesinnenminister Otto Schily eine positive Bilanz und sah in dem Bericht eine Bestätigung dafür, dass Deutschland zu den sichersten Ländern gehöre.

Neben dem Rückgang in besonders gefährlichen Bereichen hob Schily hervor, dass auch beim sexuellen Missbrauch von Kindern ebenso wie bei Diebstählen, Wohnungseinbrüchen und Handtaschenrauben die Fälle deutlich weniger geworden seien. Dies habe das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung spürbar erhöht. Der SPD-Politiker verwies auf eine Emnid-Umfrage, der zufolge sich knapp 70 % der Leute sicher fühlen.

Auch sei die Aufklärungsquote mit 53 % "beachtlich" geblieben, lobte Schily bei Vorstellung des Berichts gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, dem Bremer Innensenator Kuno Böse (CDU). Die Zunahme der registrierten Straftaten um 1,6 % oder 100 000 auf rund 6,36 Mill. führte er auch darauf zurück, dass die Bürger mehr Anzeigen erstatteten.

Die Zahl der Tatverdächtigen ging um 0,3 % auf 2,28 Mill. zurück, wobei der Anteil der Ausländer unter 25 % sank. Erfreulich nannte Schily den Rückgang der Delikte von Kindern (1,9 %) und Heranwachsenden (0,4 %). Unter den Jugendlichen von 14 bis 18 Jahren stieg sie dagegen um 1,5 %. Der Bekämpfung der Jugendkriminalität gelte besondere Aufmerksamkeit, betonte er. Dabei müsse vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse gerade die psychische Seite stärker berücksichtigt werden.

Leicht verringert hat sich die Zahl der Diebstähle, die fast die Hälfte aller Straftaten ausmachen. Besonders deutlich wurde dies bei Autodiebstählen (minus 9,2 %), vor allem dank elektronischer Wegfahrsperren. Wohnungseinbrüche wurden 4,5 % weniger gezählt. Die Fälle von Mord und Totschlag nahmen um 4,7 % ab, von Raub um 3,9 % und von Handtaschenraub um 14,7 %.

Gefährliche Körperverletzungen wurden dagegen 2,9 % mehr registriert, ebenso Vergewaltigungen und besonders schwere sexuelle Nötigungen (5,2 %). Schily führte dies darauf zurück, dass Frauen vermehrt den Mut zur Anzeige fänden.

Mehr Wirtschaftsdelikte

Einen starken Anstieg (23,1 %) verzeichnete die Wirtschaftskriminalität. Hier verwies Schily allerdings auf umfangreiche Ermittlungskomplexe mit tausenden Einzelfällen, die die Statistik beeinflussten. So erklärt sich der Anstieg der Kriminalität in Hamburg um 12,1 % durch einen Betrugskomplex mit über 26 000 Fällen. Sorge bereitet dem Minister die "alarmierende" Zunahme der erfassten Computerkriminalität um fast 40 %.

Hochgeschnellt ist vor allem Computerbetrug um 162,3 % auf 17 310 Fälle und Betrug mit Zugangsberechtigungen zu Kommunikationsdiensten um 256,7 % auf 8 093 Fälle. Meist ging es um Internet-Surfen auf Kosten anderer mittels ausgespähter Daten, illegales Anwählen teurer 0190er-Nummern und das Knacken von Handy-Sperren. Hier plädierte Schily für eine engere Zusammenarbeit mit der Industrie, ebenso wie zur Bekämpfung des um 3,5 % gestiegenen Kreditkartenmissbrauchs.

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