Schily wünscht „salomonisches Urteil“
Reitervereinigung will beim IOC vorsprechen

Die Internationale Reiterliche Vereinigung (FEI) will beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) einen Vorstoß unternehmen, um den deutschen Vielseitigkeitsreitern nachträglich zwei zusätzliche Goldmedaillen zu übergeben. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Montag in Athen aus sicherer FEI-Quelle.

HB ATHEN.Der Einzelsiegerin Bettina Hoy und dem deutschen Team waren die Olympiasiege am Samstag durch den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) wegen eines Formfehlers der FEI aberkannt worden.

Bundesinnenminister Otto Schily wünscht sich zum Goldmedaillen-Entzug der deutschen Vielseitigkeitsreiter ein "salomonisches Urteil". Ob es eine solche Lösung gäbe, "kann ich nicht sagen, ich kenne den juristischen Hintergrund nicht. Und als Sportminister werde ich mich nicht einmischen", sagte Schily am Montag bei einer Pressekonferenz in Athen. Bei seinem Gespräch mit IOC-Präsident Jacques Rogge habe sich dieser am Sonntag "sehr zurückhaltend" geäußert.

Der SPD-Politiker bescheinigte der deutschen Mannschaft auf der Basis von 29 Medaillen und einem sechsten Platz in der Nationenwertung nach 165 von 301 Entscheidungen eine "grandiose Leistung". Die deutschen Sportler seien in Athen "gute Botschafter, die für Deutschland Ehre einlegen. Dafür sind wir dankbar".

Schily sagte aber auch: "Es gibt Schwächen, doch damit beschäftigen wir uns nach den Spielen." Dann gehe es auch darum, "wie wir die Mittel noch effizienter einsetzen". Die Bundesregierung fördert den Hochleistungssport in diesem Jahr mit 119 Millionen Euro. "Gerüchte, wonach die Bundesregierung in ihrer Förderung einen großen Schnitt machen wird", entsprächen nicht der Realität. "Das ist nicht der Fall", sagte Schily.

Der Innenminister lobte den von Rogge eingeschlagenen strikten Anti-Doping-Kurs. "Das möchte ich sehr hoch anerkennen. Er hat das wahr gemacht, was er bei seiner Wahl angekündigt hat: Mit großer Härte gegen Doping vorzugehen." In dieses Lob schloss er den kanadischen Chef der Welt-Antidoping-Agentur (WADA), Richard Pound, mit ein. "Die Bundesregierung wird seine erneute Kandidatur unterstützen." Dabei geht es um eine weitere Zwei-Jahres-Periode bis 2006.

Zu seiner eigenen Haltung sagte Schily: "Ich werde nie erlauben, dass auch nur ein Cent für Doping ausgegeben wird." Die Doping-Fälle in Athen sind nach Ansicht des Innenministers "kein Beweis für grassierendes Doping, sondern Beweis für die konsequente Politik von Rogge und Pound gegen Doping".

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