Schirmherrschaft
Keine „No-go“-Gebiete für Schröder

Der Ex-Bundeskanzler übernimmt die Schirmherrschaft der Initiative "Gesicht zeigen!", die für ein weltoffenes Deutschland und gegen Fremdenfeindlichkeit kämpft. Die Schirmherrschaft rundet sein politisch-korrektes Image ab und Gerhard Schröder genießt seinen Auftritt.

BERLIN. Zufrieden und leicht amüsiert lässt Gerhard Schröder den Blick durch den Hörsaal der Hertie School of Governance schweifen. Der Raum im ehemaligen Staatsratsgebäude ist brechend voll. Die Organisatoren seiner ersten Pressekonferenz in Deutschland seit dem Regierungswechsel fühlen sich bestätigt: Noch immer zieht seine Popularität. Und die will der Altkanzler an diesem Morgen bewusst in den Dienst einer guten Sache stellen: Schröder wird Schirmherr der Aktion "Gesicht zeigen!", die für ein weltoffenes Deutschland und gegen Fremdenfeindlichkeit kämpft. "Ich freue mich auf viele Fragen zu unserer Arbeit", leitet die Organisatorin ein - und Schröder grinst wieder. Er weiß, den größten Teil der Pressekonferenz wird er Versuche abwehren müssen, sich zu allen möglichen anderen Themen zu äußern.

Dabei liegt ihm die Schirmherrschaft tatsächlich am Herzen. "Spontan" habe Schröder zugesagt, betont Uwe Heye, -Karsten Vorsitzender der Organisation. Verwunderlich ist das nicht. Zum einen ist Heye als Ex-Regierungssprecher ein enger Vertrauter Schröders. Zum anderen hatte Schröder den Kampf gegen Rechtsradikalismus schon in seiner Amtszeit ernst genommen. Jetzt verteidigt er Heyes Äußerungen von den "No-go-Areas" für Farbige ausdrücklich. Man müsse einfach manchmal auf Missstände hinweisen.

Die Schirmherrschaft rundet aber auch Schröders politisch-korrektes Image ab. Denn nachdem er bereits Ehrenvorsitzender des auf arabische Länder konzentrierten Nah- und Mittelostvereins geworden ist, kann der Sozialdemokrat nun demonstrieren, dass er sich auch gegen Antisemitismus engagiert.

Außerdem: "Gesicht zeigen" hat gleich vier Ausrufezeichen in ihrem Logo - da kann ein Basta!-Kanzler gar nicht widerstehen. Prompt kokettiert Schröder selbst mit seinem Image. Leicht spöttisch erwähnt er, dass es in "Gesicht zeigen" natürlich keine Meinungsverschiedenheiten gebe. "Und damit Basta!"

Bei dem Auftritt fühlt sich der Altkanzler sichtlich wohl - schließlich kennt er auch das Gebäude noch aus der Zeit, in der er dort vorübergehend als Kanzler residierte. Und Schröder genießt, dass ihm die Pressekonferenz auch ein paar Worte zur Fußball-WM erlaubt, die er selbst nach Deutschland geholt hatte.

Und Klinsmann? Auf den habe er schon immer gesetzt. "Diese Konstante meiner fußballerischen Stellungnahmen können Sie nachlesen", fügt Schröder selbstironisch hinzu. Im übrigen finde er die neue Form des Patriotismus der jungen Leute klasse. Sie dürfe nur nicht falsch instrumentalisiert werden.

Fragen zu anderen politischen Themen genießt Schröder, wehrt sie aber lässig ab. An SPD-Wahlkämpfen wolle er in diesem Jahr noch nicht teilnehmen. "Ich schließe ja nicht aus, dass ich innenpolitische Vorgänge wieder kommentieren werde", meint er und schickt grinsend hinterher: "Das soll keine Drohung sein".



Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%