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Schlafmützen gegen Nachteulen: Paris im Kampf gegen LärmDPA-Datum: 2004-07-13 08:04:13

Paris (dpa) - In der kleinen Rue de Lappe im umtriebigen Pariser Bastille-Viertel ist nachts der Teufel los. Hier reihen sich Clubs und Restaurants nur so aneinander - laute Musik und lärmende Gäste bringen die Anwohner oft um den Schlaf. Didier Granger hat sein Lokal «Havanita Café» in acht Jahren drei Mal wegen Ruhestörung für gewisse Zeit zumachen müssen.

Paris (dpa) - In der kleinen Rue de Lappe im umtriebigen Pariser Bastille-Viertel ist nachts der Teufel los. Hier reihen sich Clubs und Restaurants nur so aneinander - laute Musik und lärmende Gäste bringen die Anwohner oft um den Schlaf. Didier Granger hat sein Lokal «Havanita Café» in acht Jahren drei Mal wegen Ruhestörung für gewisse Zeit zumachen müssen.

Deshalb war er jetzt unter den ersten, die auf den Versöhnungskurs der Stadtväter von Paris eingeschwenkt sind. Denn die Weltstadt versucht mit einer «Charta des guten Benehmens», es allen recht zu machen und zwischen den Nachteulen und den Schlafsuchenden zu vermitteln. Ob das wirklich gelingt?

Manika Slissi, Chefin des alternativen Musik-Cafés «L'Atmosphère» am Kanal Saint-Martin, hatte die Charta schon vor ihrem Kollegen aus der Rue de Lappes unterschrieben. Immerhin hatte die Polizei nach den Klagen schlafbedürftiger Bürger im Januar ihr «in»-Café einmal mehr für zehn Tage dicht gemacht - ohne dass sie damals irgendetwas dagegen tun konnte. Das soll nun anders werden. Nach langen Debatten wurde jetzt eine «Schlichtung» durch die Stadt vereinbart - sofern die Bars und Clubs sich verpflichten, unter einem gewissen Lärmpegel zu bleiben. Auch wenn sie es sind, die Leben in die Stadt bringen.

Die Stadtväter um Bürgermeister Bertrand Delanoë tun alles, um die Szene und den Ruf einer quirligen Weltstadt auszubauen. So gesellte sich zu dem Standvergnügen «Paris Plage» an der Seine die jährliche «Nuit Blanche»: Kulturprogramme für alle eine ganze Nacht hindurch. Auf der anderen Seite «verbürgerlicht» die Wählerschaft immer mehr - und das auch in den Vierteln, die kulturell Dampf machen. Um beides unter einen Hut zu bringen, hatte Kulturreferent Christophe Girard vor 18 Monaten begonnen, mit beiden Seiten über eine «Waffenruhe» zu reden.

Und das steht in der Charta mit ihren 28 Artikeln: Ein «Observatorium» unter Leitung des Bürgermeisters soll im Streitfall vermitteln, die Anlieger informieren und zum Dialog anregen. Die Musik-Cafés, Clubs und kleinen Konzertsäle ihrerseits verpflichten sich, die Lärmgrenzen (nicht mehr als drei Dezibel außerhalb des Etablissements!) und die vorgeschriebenen Öffnungszeiten einzuhalten - so schwer ihnen das auch fallen dürfte. Die Stadt erkennt die Dutzenden von musikalischen Lärm-Quellen in der Charta erstmals als «kulturelle Stätten» an, was Luce Namer vom Jazz-Keller «L'Opus» im 10. Stadtbezirk großartig findet: «Wir sind nicht nur ein Ausschank.»

Ob die Wellen sich damit glätten lassen, steht in den Sternen über Paris. Denn die Charta sieht keine Sanktionen vor. «Die Polizei wird damit ermutigt, jene nicht zu verwarnen, die die Gesetze übertreten», schimpfte Thierry Ottaviani, Präsident der Anti-Lärm-Organisation «SOS Bruit», in dem Boulevardblatt «Le Parisien». Allerdings musste von den Musiksälen und Clubs, die an der Charta mitgearbeitet haben, im Jahr 2003 nicht einer geschlossen werden.

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