Schlag kam unerwartet
Angriff aus der Schweiz

Das Problem schien zunächst gar keines zu sein. Die beiden Din-A4-Blätter, die am Dienstag um die Mittagszeit auf den Schreibtisch von WCM-Chef Roland Flach flattern, wirken nicht eben bedrohlich. Irgendeine Analyse einer winzigen Schweizer Vermögensverwaltung, von der der kleine Vorstandschef mit dem schlohweißen Haar noch nie zuvor gehört hatte. Flach hat Dringenderes zu tun, er legt die Blätter erst mal zur Seite.

Nur wenig später beginnt das Telefon zu läuten, und für den Rest des Tages steht es nicht mehr still. Fondsmanager, Analysten, Großaktionäre, alle wollen von Flach wissen, ob die United Zurich Finance (UZF) mit ihrer Warnung "high risk" Recht habe und die Aktie der Beteiligungsgesellschaft statt 9 Euro wirklich nur 2,86 Euro wert sei. Flach versucht zu beruhigen, zu argumentieren, den Brand zu löschen, doch er kann ihn nicht einmal eindämmen. Um bis zu 30 Prozent rauscht der Kurs von WCM talwärts. Der Schlag kommt völlig unerwartet, mehrere Analysten hatten WCM zuvor zum Kauf empfohlen.

Zwar sind die Züricher auch den meisten Aktienhändlern und Fondsmanagern in Frankfurt unbekannt, doch an den Märkten hat UZF mit der Studie offenbar den Nerv getroffen. Von versteckten Risiken in der WCM-Bilanz ist da die Rede, von zweifelhaften Bewertungsmethoden, von drohenden Verlusten und gekündigten Krediten.

Das alles zeigt: Die Wortkombination "Bilanz" und "zweifelhaft" reicht derzeit völlig aus, um nackte Angst an den Börsen auszulösen. Seit der US-Energiekonzern Enron nach üblen Buchhaltungstricks zusammenbrach und für die größte Unternehmenspleite der US-Geschichte sorgte, liegen die Nerven blank. Ob zu Recht oder Unrecht - mit Vorwürfen wie sie UZF erhebt, lassen sich derzeit viele Aktien runterprügeln.

"Spekulationen sind in solchen hypersensiblen Zeiten Tür und Tor geöffnet", klagt Anlegerschützer Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Besonders anfällig sind allerdings Firmen, die sich, wie WCM, schon lange gegen den Vorwurf der Intransparenz wehren müssen.

Quelle: Handelsblatt

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