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Schlagabtausch der Vizekandidaten im US-Wahlkampf

US-Vizepräsident Dick Cheney (63) und sein demokratischer Herausforderer John Edwards (51) haben sich bei ihrem einzigen Fernsehduell im Wahlkampf einen harten Schlagabtausch über die Irak-Politik geliefert.

dpa WASHINGTON. US-Vizepräsident Dick Cheney (63) und sein demokratischer Herausforderer John Edwards (51) haben sich bei ihrem einzigen Fernsehduell im Wahlkampf einen harten Schlagabtausch über die Irak-Politik geliefert.

Edwards warf Cheney am Dienstagabend in Cleveland (US-Bundesstaat Ohio) vor einem Millionenpublikum vor, immer noch nicht aufrichtig zu den Amerikanern zu sein und die Lage im Irak zu schönen. Dagegen rechtfertigte Cheney den Krieg im Irak als Teil des weltweiten Kampfes gegen den Terrorismus.

Nach dem überraschend guten Abschneiden des demokratischen Herausforderers John Kerry im ersten Fernsehduell mit Präsident George W. Bush am vergangenen Donnerstag wurde die Vizepräsidentendiskussion mit Spannung erwartet. Anders als bei der Bush-Kerry-Debatte stritten Cheney und Edwards zum Teil leidenschaftlich über innenpolitische Themen von Steuern und Arbeitsplätzen bis hin zu Gesundheitsfürsorge und gleichgeschlechtlichen Ehen. Erste Umfragen von US-Fernsehsendern sahen nach dem 90 Minuten langen Streitgespräch anders als am vergangenen Donnerstag keinen klaren Sieger.

Der 63-jährige Cheney gilt als einer der stärksten Vize- Präsidenten in der US-Geschichte und entschiedener Befürworter des Irak-Krieges. Er strich bei den zum Teil heftigen persönlichen Angriffen beider Männer seine langjährige Erfahrung im Staatsdienst heraus und versuchte die Glaubwürdigkeit und die Erfahrung der beiden demokratischen Herausforderer Kerry und Edwards in Frage zu stellen. Diese hätten in Verteidigungsfragen immer auf der falschen Seite gestanden und seien nicht auf den Kampf gegen den Terrorismus vorbereitet, sagte Cheney. Er warf Edwards vor, in politischen Fragen mehrfach seine Position geändert und bei vielen Sitzungen und Abstimmungen im Senat gefehlt zu haben.

Der langjährige Rechtsanwalt Edwards konterte und sagte, dass die von Cheney zitierte langjährige Erfahrung nicht automatisch gutes Urteilsvermögen bedeute. So sagten Bush und Cheney den Amerikanern, dass die Dinge im Irak gut liefen, dabei könne jeder vor dem Fernseher den "Schlamassel" sehen. Außerdem seien unter der Präsidentschaft von Bush und Cheney erstmals seit 70 Jahren mehr Arbeitsplätze verschwunden als entstanden. "Das Land kann nicht noch vier weitere Jahre ihrer Erfahrung ertragen", sagte Edwards.

Edwards griff wie erwartet den Vizepräsidenten wegen dessen Verbindungen zum texanischen Ölservice-Konzern Halliburton an. Cheney sei Vorsitzender des Konzerns gewesen, als Halliburton Geschäfte mit "eingeschworenen Feinden der USA" gemacht habe. Halliburton hätte außerdem keinen Exklusivertrag in Höhe von 5,7 Mrd. Dollar (4,6 Mrd. Euro) für den Irak bekommen dürfen. Cheney sagte, die Vorwürfe hätten keine Substanz.

Sehr menschlich wurde das Fernsehduell als die Rede auf gleichgeschlechtliche Ehen kam. Edwards lobte Cheney dafür, wie er sich um seine lesbische Tochter kümmere. Im Gegenzug dankte Cheney für die warmen Worte von Edwards. In Fragen gleichgeschlechtlicher Ehen vertritt Cheney eine andere Position als Präsident Bush, der sie strikt ablehnt.

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