Schlaglicht auf prekäre Bankenlage
Staat rettet japanische Großbank Resona

Die japanische Regierung hat die fünftgrößte Bankengruppe des Landes vor dem Kollaps gerettet. Mit einer Kapitalspritze soll ein Übergreifen der gewaltigen Probleme der Resona Holdings auf das gesamte Finanzsystem verhindert werden. "Ich werde nicht zulassen, dass es zu einer Finanzkrise kommt", sagte Ministerpräsident Junichiro Koizumi am Wochenende.

HB/dpa TOKIO. Um die Finanzen der zur Holding gehörenden Resona Bank zu stabilisieren und eine Verunsicherung der Einleger zu vermeiden, wolle man die Eigenkapitalquote über 10 % heben. Die Großbank, die aus der Fusion der Daiwa und Asahi Bank hervorging, hatte mitgeteilt, dass die Quote unter die gesetzlich geforderten vier Prozent gesunken sei.

Über die Höhe der zugesagten Gelder machten weder die Regierung noch Resona nähere Angaben. Nach einem Bericht der Finanzzeitung "Nihon Keizai Shimbun" handelt es sich um rund zwei Billionen Yen (rund 15 Mrd Euro). Es ist die erste Finanzspritze seit Ende der 90er Jahre, als die Regierung zur Rettung von Banken mehr als neun Billionen Yen bereitgestellt hatte. Es ist zudem das erste Mal, dass der Staat Geld direkt in eine einzelne Bank pumpt. Japans oberster Finanzaufseher Heizo Takenaka wies aber Darstellungen zurück, wonach die Hilfe für Resona auf eine Verstaatlichung der Bank hinausläuft. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die prekäre Lage des gesamten Bankensystems der zweitgrößten Wirtschaftsnation der Welt.

Nach Ansicht von Experten wurde einmal mehr deutlich, dass die Fusion schwacher Banken in Japan keine starke Bank schafft. "Dem Finanzsektor und der Wirtschaft Japans hätte es besser getan, Not leidende Banken wie Asahi und Daiwa zu schließen anstatt sie fusionieren zu lassen, nur um jetzt wieder vor denselben Problemen zu stehen wie zuvor", sagte Andreas Nabor, Bankenexperte am Deutschen Institut für Japanstudien (DIJ) in Tokio, am Sonntag der dpa. Die Injektion öffentlichen Kapitals in eine Privatbank mache nur Sinn, wenn sie mit strengen Bedingungen zum Abbau Not leidender Kredite und Umstrukturierungen unter Androhung harter Sanktionen verbunden sei.

"Die bisherigen Erfahrungen mit öffentlichen Kapitalspritzen für japanische Banken lassen an der Entschlossenheit der Regierung zweifeln", sagte Nabor. Die Finanzaufsichtsbehörde FSA forderte Resona auf, bis zum 2. Juni einen Sanierungsplan vorzulegen. Das Institut kündigte bereits einen Managementwechsel an: So wird neuer Präsident Kenji Kawada. Er war schon bei Resonas Vorläuferbank Asahi tätig. Resona wurden neben faulen Krediten, dem Kursverfall an der Börse und der Konjunkturflaute auch verschärfte Bilanzrichtlinien zum Verhängnis. Diese sehen vor, dass erwartete Steuerrückerstattungen nicht mehr wie bisher als Kapital verbucht werden dürfen.

"Der Fall Resona kann sich bei den meisten japanischen Banken wiederholen. Wenn nicht in dieser Bilanzierung, dann zur Hälfte des Bilanzjahres im September", warnte Nabor. Das Problem der Regierung sei, dass eine entschlossene Haltung gegenüber Resona auch andere Banken in Zugzwang bringe, da die Institute oft dieselben Kunden hätten. Beginne eine Bank, Kredite an einen Kunden abzuschreiben, müssten die anderen Banken in die Bresche springen oder aber ebenfalls die Kredite abschreiben, was deren Bilanz beeinträchtige. "Man muss also alle Banken auf einmal sanieren. Dazu fehlte der Regierung bisher der Mut und es gibt kein Anzeichen, dass sie den Mut jetzt plötzlich gewonnen hätte", meinte der Bankenfachmann weiter.

Die Resona Bank erwartet unterdessen für das abgelaufene Geschäftsjahr (31. März) einen Verlust von 838 Mrd. Yen. Zuvor war noch ein Fehlbetrag von 290 Mrd. Yen vorhergesagt worden.

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