Schlammschlacht beginnt
Republikaner wühlen in Obamas Vergangenheit

Hillary Clinton kämpft unermüdlich weiter. Doch ernst nimmt sie eigentlich niemand mehr. Auch die Republikaner haben ihren Plan für die Schlacht ums Weiße Haus schon geändert. Alles konzentriert sich auf Barack Obama. Fieberhaft suchen die Strategen nach wunden Punkten im Leben des demokratischen Senators – und sie werden offenbar fündig.

HB WASHINGTON. Bislang hatten die US-Republikaner leichtes Spiel. Solange der Vorwahlkampf zwischen Barack Obama und Hillary Clinton um die demokratische Präsidentschaftsnominierung mit Macht tobte, überließ es das Lager von John McCain genüsslich und ohne großes Zutun den Rivalen, sich zu beharken. Seit aber der früheren First Lady kaum noch Chancen auf einen Sieg eingeräumt werden, hat sich der Plan für die Schlacht ums Weiße Haus klar geändert.

„Die Wahlkämpfe (von McCain und Obama) nehmen nun flott Kurs Richtung Präsidentschaftswahl“, befindet die „New York Times“. „Und beide Seiten sind dabei bereits in voller Angriffsstellung.“

Es darf mit härtesten Bandagen gerechnet werden. Präsident George W. Bush brach mit jahrzehntealten US-Gepflogenheiten, nach denen Innenpolitik bei Auslandsreisen tabu ist, als er vorige Woche vor dem israelischen Parlament Verhandlungen mit „Terroristen und Radikalen“ mit der Beschwichtigungs-Politik (Appeasement) gegenüber Nazi-Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg verglich. Kaum jemand zweifelte daran, dass Ziel der Attacke Obama war, der als Präsident zu direkten Gesprächen mit der Regierung des Irans bereit wäre.

Gerade bei der Sicherheitspolitik, in der öffentlichen Wahrnehmung die Domäne der Konservativen, sehen die Republikaner im Ringen mit dem Senator aus Illinois ihre große Chance. McCains Unterstützung für den höchst unpopulären Irak-Krieg und seine selbst eingestandene Schwäche bei Wirtschaftsthemen gelten dagegen wahltaktisch als Minuspunkt.

„Das amerikanische Volk hat allen Grund zu zweifeln, ob er die Stärke, die Urteilsfähigkeit und die Entschlossenheit besitzt, für unsere Sicherheit zu sorgen“, gab McCain das Motto gegen Obama vor, das voraussichtlich in den nächsten Monaten immer wiederkehren wird. Der Demokrat nahm die Attacke als Steilvorlage und drosch freudig auf die Außenpolitik der Bush-Regierung inklusive Irak-Krieg ein.

Altes Dossier soll Obama belasten

Schon wühlen die republikanischen Wahlstrategen kräftig in Obamas Vergangenheit, um auch anderweitig einen Angriffspunkt zu finden. Hilfreich scheint ihnen nach einem Bericht des US-Magazins „Newsweek“ das vier Jahre alte Dossier eines konservativen Widersachers, das noch aus dem Rennen um den Senat von Illinois stammt. Darin werde der Demokrat als „Freund eines Schmusekurses mit Sexverbrechern“ und „schändlich weich bei Kriminalität und Drogen“ bezeichnet.

Zudem graben die Republikaner vermeintliche Verbindungen Obamas zu dubiosen Gestalten seiner Heimatstadt Chicago aus. „Da gibt es eine ganze Menge“, freut sich Wahlstratege Floyd Brown. „Bei dieser Wahl fühle ich mich wie in einem Süßwarenladen“, sagte er „Newsweek“.

Doch schließen selbst die politischen Gegner des schwarzen Senators nicht aus, dass eine allzu brutale Schlammschlacht auch zum Bumerang werden könnte. Die Republikaner sind landesweit im Ansehen tief gesunken, mancherorts herrscht unter Konservativen blanke Panik. In den vergangenen Wochen verloren sie bei drei Nachwahlen zum Abgeordnetenhaus in Louisiana, Illinois und Mississippi Sitze, die als bombensicher galten. „Die Republikaner sind schwer angeschlagen“, räumt der frühere republikanische Parlamentspräsident Newt Gingrich ein. „Wenn die Republikaner versuchen, einen Anti-Obama-Wahlkampf zu führen (...), werden sie scheitern. Dieses Modell ist bereits ausprobiert worden, mit katastrophalen Ergebnissen.“

Obama will sich am Dienstag zum Sieger erklären

Noch sind die Vorwahlen der Demokraten nicht vorbei, die nächsten Runden stehen an diesem Dienstag in den Staaten Kentucky und Oregon an. Doch um Hillary Clinton ist es in den US-Medien bereits sehr ruhig geworden. Am Wochenende beherrschte bereits der außenpolitische Schlagabtausch zwischen Obama und McCain die Sender und Schlagzeilen. Erwartet wird ein Sieg der früheren First Lady in Kentucky. In Oregon an der Westküste dürfte hingegen der Senator aus Illinois das Rennen machen. Läuft alles nach Plan, könnte er nach den Abstimmungen auf genug gebundene Delegierte kommen, um sich ohne Widerspruch zum Sieger der Kandidatenkür der Demokraten zu erklären. Den Wahlabend will er, symbolträchtig, in Iowa verbringen - dort, wo im Januar sein Wettlauf um die Nominierung mit einem Triumph begann.

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