Schlammschlacht in Sachsen
Schaufel und Schubkarre statt schöne Reden

Der Bundestagswahlkampf in der Sächsischen Schweiz ist im wahrsten Sinne des Wortes zur Schlammschlacht geworden. Statt auf geschmückten Marktplätzen stehen die Direktwahlkandidaten des Wahlkreises Sächsische Schweiz/Weißeritzkreis mitten im Dreck.

ddp PIRNA. Und anstatt Reden zu schwingen, hantieren sie mit Schaufel und Schubkarre oder sind für ihre Wähler einfach nur da.

"Mit sinkendem Wasserspiegel steigt der Gesprächsbedarf der Betroffenen", sagte Rainer Maus, Unterbezirksleiter der SPD für die Sächsische Schweiz. Deshalb sei die Direktwahlkandidatin Renate Jäger seit Tagen in den betroffenen Dörfern, Städten und Gemeinden ihres Wahlkreises Sächsische Schweiz/Weißeritzkreis unterwegs. "Aber statt Wahlkampfplattheiten führt sie ernsthafte Gespräche über die Hilfsprogramme für die Flutopfer, hilft den Betroffenen, sich im Spenden-Dschungel zurecht zu finden und nimmt die Nöte der Menschen im Schlamm mit nach Dresden und Berlin", sagt Maus.

CDU-Frontmann Klaus Brähmig griff nach Auskunft seines Bürgerbüros in Pirna selbst zu Schippe und Schubkarre und half bei der Schlammbeseitigung nach der Flut. Zudem regte er eine Sondersitzung des Bundestagsausschusses für Tourismus an, mit dem Ziel, konkrete Hilfsangebote für die von der Flut gebeutelten Regionen seiner Heimat zu erreichen. Denn Gemeinden wie Bad Schandau leben vom Tourismus, und auch die touristischen Ziele im nicht betroffenen Hinterland haben jetzt mit Imageproblemen zu kämpfen.

Es sind zwei Beispiele, die sich beliebig ergänzen ließen: Weder die großen noch die kleineren Parteien führen in der Sächsischen Schweiz derzeit echten Wahlkampf. Und doch sind die Abgeordneten von SPD, CDU, PDS, FDP und Grünen fast unermüdlich auf den Beinen, reden mit den Bürgern ihrer Wahlkreise - "vielleicht mehr, als sie es ohne Hochwasser getan hätten", mutmaßt ein Mann in Pirna.

Zumindest bis zum Wochenende und zum Teil bis in den September hinein sind in den betroffenen Regionen Sachsens alle Wahlkampftermine abgesagt. Plakate mit optimistisch lächelnden Politikern sucht der Wähler in Heidenau, Pirna und Bad Schandau sowie in den vielen betroffenen kleinen Orten der Sächsischen Schweiz und im Weißeritzkreis in diesen Tagen vergebens. Dafür trifft er hin und wieder auf Abgeordnete, denen angesichts des Elends und der Zerstörung die Worte fehlen, die den betroffenen Menschen auch einfach mal nur ganz fest die Hand drücken und ihnen so Mut machen. Sie haben Hilfsprogramme in der Tasche und wirken doch fast eben so hilflos wie die Betroffenen selbst.

Die vor der Flutwelle aufgestellten Großplakate von CDU und SPD erhalten nun eine ganz eigene Symbolik. Die meisten dieser Plakate trotzten zwar den Wassermassen, sind aber von der Katastrophe gezeichnet. Da stehen sich Edmund Stoiber (CSU) und Angela Merkel (CDU) ganz und gar mit Schlamm bespritzt gegenüber, und ein nachdenklicher Gerhard Schröder (SPD) sitzt an einem fast gänzlich im Schlamm versunkenen Schreibtisch. Ihre eigentliche Bedeutung haben diese Plakate verloren.

Nicht aber der Wahlkampf selbst. «Wir müssen schon in den nächsten Wochen irgendwie und sicher sehr dezent Wahlkampf auch in den vom Hochwasser betroffenen Regionen machen», ist bei den Parteien zu hören. Doch wie genau dieser Wahlkampf aussehen soll, vermag in den zum Teil selbst vom Wasser betroffenen Parteizentralen und Bürgerbüros niemand so recht zu sagen. Und so stapfen die Bundestagskandidaten weiter tapfer durch Schlamm, Dreck und Elend.

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